{"id":207,"date":"2009-06-11T17:29:14","date_gmt":"2009-06-11T15:29:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/?p=207"},"modified":"2023-01-03T16:41:44","modified_gmt":"2023-01-03T15:41:44","slug":"brandenburg-berlin-muss-sich-auf-klimafluechtlinge-einstellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/brandenburg-berlin-muss-sich-auf-klimafluechtlinge-einstellen\/","title":{"rendered":"Brandenburg-Berlin muss sich auf Klimafl\u00fcchtlinge einstellen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ein Aufsatz anl\u00e4sslich der Beratung zur Weltklimakonferenz 2009<\/strong><br \/>\nvon Hartwig Berger<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich der vorbereitenden Beratungen zur Weltklimakonferenz 2009 in Kopenhagen, die gegenw\u00e4rtig in Bonn stattfinden, hat die \u201eInternationale (UN-)Organisation f\u00fcr Migration\u201c (IOM) ihre Sch\u00e4tzungen zum Ausma\u00df der klimabedingten Fluchtbewegungen ver\u00f6ffentlicht, die angesichts des fortschreitenden Klimawandels bis zum Jahr 2050 zu erwarten sind. Ihre Sch\u00e4tzungen schwanken zwischen 25 Mio. und 1 Mrd. Menschen schwanken. Als die wahrscheinlichste Gr\u00f6\u00dfe entscheidet sich die IOM auf die Prognose von 200 Mio. Klimafl\u00fcchtlinge im Jahr 2050.<\/p>\n<p><!--more-->Wenn unsere Region den Anspruch einer zukunftsf\u00e4higen Entwicklung ernst nimmt, muss sie sich mit Erwartungen und Anspr\u00fcchen auseinandersetzen, die mit der Frage \u201eklimabedingter Flucht\u201c in absehbarer Zeit auf uns zukommen. Orte der Klimaflucht werden aride und semi-aride Zonen sein, weiterhin Gebiete, die vom ansteigenden Meeresspiegel \u00fcberflutet werden, Regionen, die besonders extremen Wetterlagen ausgesetzt sind sowie viele St\u00e4dte, die direkt an der K\u00fcste liegen. Betroffen sind dabei vor allem Landstriche in Mittelamerika, der Andenregion, gro\u00dfe Teil des n\u00f6rdlichen, subsaharischen und s\u00fcdlichen Afrika, weite Gebiete in Zentral-, S\u00fcd- und S\u00fcdostasien. In jedem Fall werden es die Armen dieser L\u00e4nder sein, die zun\u00e4chst ohne Zuflucht ihre Heimat oder ihre Bleibe verlassen m\u00fcssen. Es handelt sich also ganz vorwiegend um Regionen und immer um Bev\u00f6lkerungsgruppen, die nicht den gef\u00e4hrlichen Klimawandel zu verantworten haben. Vorwiegend Menschen, die das nicht verursacht haben, m\u00fcssen unter der klimabedingten Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen leiden.<\/p>\n<p>Wohin k\u00f6nnen Klimafl\u00fcchtlinge gehen? Wer soll sie aufnehmen, ihnen Lebensraum und einen gerechten Lebensunterhalt bieten? Sollen die Millionen an Fl\u00fcchtlingen, die auf dem indischen Subkontinent aus einerseits \u00fcberfluteten, andererseits austrocknenden Landgebieten fl\u00fcchten, die Slums und Elendsviertel von Dhaka, Kalkutta oder Mumbai \u00fcberv\u00f6lkern? Wer zahlt ihnen Entsch\u00e4digung? Wer bietet ihnen anderswo neue Lebensperspektiven?<\/p>\n<p>In den betroffenen Regionen werden diese Fragen bereits mit dem Fingerzeig auf die L\u00e4nder und Weltregionen beantwortet, die historisch wie gegenw\u00e4rtig ganz \u00fcberwiegend f\u00fcr den Klimawandel verantwortlich sind. Dabei wird es nicht reichen, dass wir f\u00fcr die hohen Kosten der Klimaflucht zur Kasse gebeten werden. Wir sind auch mit- wenn nicht hauptverantwortlich daf\u00fcr, dass Klimafl\u00fcchtlingen neue Siedlungsgebiete verf\u00fcgbar gemacht werden, in denen sie unter angemessenen Bedingungen leben und ihren Lebensunterhalt bestreiten k\u00f6nnen. Aller Voraussicht nach wird das nur begrenzt in den betroffenen L\u00e4ndern der Fall sein. Dort geht durch Klimawandel Lebensraum in gro\u00dfem Stil verloren. Klimafl\u00fcchtlinge sind und werden ganz \u00fcberwiegend b\u00e4uerliche Schichten sein &#8211; im globalen S\u00fcden ist das die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung. Neu zu bewirtschaftende Landfl\u00e4che wird gerade dort aber weit weniger, wenn \u00fcberhaupt verf\u00fcgbar sein.<\/p>\n<p>Darum sind gerade die T\u00e4terregionen des Klimawandels mit Ansiedlungsprogrammen f\u00fcr Klimawandel gefragt \u2013 und sie werden mit Sicherheit so gefragt werden. Die 27 L\u00e4nder der Europ\u00e4ischen Union sind f\u00fcr knapp 25% der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, die USA f\u00fcr gut 20%, Deutschland f\u00fcr rund 3,5%. Wenn wir Verursachung und Gerechtigkeit in Zahlen buchstabieren und die Prognose der IOM zugrunde legen, k\u00f6nnen wir absch\u00e4tzen, wie hoch sich die jeweilige Sorgepflicht f\u00fcr Klimafl\u00fcchtlinge belaufen wird. Dabei sollten wir realistischerweise davon ausgehen, dass die Menschen nicht in den \u00fcberfluteten und ausged\u00f6rrten Heimatregion bleiben oder in hoffnungslos \u00fcberv\u00f6lkerte und verarmte Slums gehen sollten, sondern \u00fcberwiegend in die wohlhabenderen \u2013 und weniger vom Klimawandel betroffenen Weltregionen kommen werden. Beschr\u00e4nken wir uns auf unsere Region \u2013 Brandenburg-Berlin \u2013 w\u00e4re das nahezu eine halbe Million Menschen, um deren zuk\u00fcnftigen Lebensraum und Lebensunterhalt wir uns Gedanken machen m\u00fcssen! Menschen, die vor allem als Bauern und Handwerker ge\u00fcbt und qualifiziert sein d\u00fcrften (von \u00fcberfluteten K\u00fcstenst\u00e4dten abgesehen).<\/p>\n<p>Die Regierungen Berlins und Brandenburgs planen gegenw\u00e4rtig Schritte und Ma\u00dfnahmen, die unsere Region an die zu erwartende Ver\u00e4nderung der klimatischen Verh\u00e4ltnisse besser anpasst. Das geschieht keineswegs zu Unrecht. Wir sollten uns aber dessen bewusst sein, dass die vorausgesagte Klimawandel in Nordostdeutschland harmlos ist im Vergleich zu den Folgen, der die oben genannten Krisenregionen bevorsteht. Wenn wir zukunftsgerichtet denken und handeln, m\u00fcssen wir daher also schon jetzt die Planung der Klimaanpassung bei uns gleichsam globalisieren. Wir m\u00fcssen hier und jetzt Gedanken machen, wie die zahlreichen Klimafl\u00fcchtlinge in Brandenburg-Berlin unter materiell ausreichenden und w\u00fcrdigen Umst\u00e4nden leben und arbeiten k\u00f6nnen.<br \/>\nHartwig Berger,<\/p>\n<p>Berlin, 11. 06. 2009<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/2009-06_Klimafluechtlinge.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der Beitrag als PDF<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Aufsatz anl\u00e4sslich der Beratung zur Weltklimakonferenz 2009 von Hartwig Berger Anl\u00e4sslich der vorbereitenden Beratungen zur Weltklimakonferenz 2009 in Kopenhagen, die gegenw\u00e4rtig in Bonn stattfinden, hat die \u201eInternationale (UN-)Organisation f\u00fcr Migration\u201c (IOM) ihre Sch\u00e4tzungen zum Ausma\u00df der klimabedingten Fluchtbewegungen ver\u00f6ffentlicht, die angesichts des fortschreitenden Klimawandels bis zum Jahr 2050 zu erwarten sind. Ihre Sch\u00e4tzungen schwanken &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/brandenburg-berlin-muss-sich-auf-klimafluechtlinge-einstellen\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[34,90,268],"tags":[50,83,76,119,36],"class_list":["post-207","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-klima","category-klima-und-energie","category-oeko-politik-deutschland","tag-emigration","tag-klimafluechtlinge","tag-klimawandel","tag-migration","tag-weltklimakonferenz","nodate","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/207","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=207"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/207\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":665,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/207\/revisions\/665"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}