{"id":231,"date":"2011-02-27T16:25:38","date_gmt":"2011-02-27T15:25:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/?p=231"},"modified":"2023-01-03T16:39:40","modified_gmt":"2023-01-03T15:39:40","slug":"grenzen-der-erneuerbarkeit-das-dilemma-biogener-energien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/grenzen-der-erneuerbarkeit-das-dilemma-biogener-energien\/","title":{"rendered":"Grenzen der Erneuerbarkeit &#8211; Das Dilemma biogener Energien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">\u201eKommune. Zeitschrift f\u00fcr Politik \u2013 \u00d6konomie \u2013 Kultur\u201c, Aufsatz Februar 2011<br \/>\nvon Hartwig Berger<\/p>\n<p>Die folgende Analyse st\u00fctzt die kritische Sicht auf biogene Energien. Ihre Qualifikation als \u00bberneuerbar\u00ab unterscheidet sie durchaus nachteilig von unbegrenzt verf\u00fcgbaren und dauerhaften Energietr\u00e4gern wie Sonne und Wind. Ihre verst\u00e4rkte Nutzung kollidiert mit der Jahrhundertaufgabe, den anhaltenden Raubbau an der Biokapazit\u00e4t der Erde zu beenden. Zudem untergr\u00e4bt ein Weltmarkt f\u00fcr biogene Energien zus\u00e4tzlich das Menschenrecht auf Ern\u00e4hrung. Regulierungen durch soziale und \u00f6kologische Leitplanken erweisen sich als wenig realistisch. Speziell zur EU-Politik bez\u00fcglich \u00bbBio\u00ab-Kraftstoffe wird eine Alternative und generell der beschleunigte Abschied vom Paradigma der Verbrennung in der Energieerzeugung vorgeschlagen.<\/p>\n<h3><!--more-->Erneuerbare und dauerhafte Energien<\/h3>\n<p>Die Debatte um eine klimavertr\u00e4gliche Energiewende leidet unter der Gleichsetzung von \u00bbBiomasse\u00ab \u2013 Sonne, Wind, Wasser und Erdw\u00e4rme \u2013 als allesamt \u00bberneuerbare Energietr\u00e4ger\u00ab. In dieser Qualifizierung steckt ein folgenreicher Denk- oder Kategorien-Fehler. \u00bbErneuerbar\u00ab ist aufgrund der Vitalit\u00e4t lebender Pflanzen und Tiere einzig organisches Leben, wobei gerade die Vernichtung von Leben Voraussetzung ihrer Nutzbarkeit als Energiequelle ist. Die Qualifizierung \u00bberneuerbar\u00ab impliziert, dass Leben ausgel\u00f6scht und damit auch energetisch nutzbar wird, sowie zweitens: dass sich mit neuen Lebensprozessen organische Stoffe neu bilden. In welchen Zeitr\u00e4umen, Umfang und Naturqualit\u00e4ten sich zuvor vernutztes Leben neu bildet, bleibt dabei immer die Frage.<\/p>\n<p>Hingegen ist die Einstufung von Sonnenlicht, Wind, Wasser und Erdw\u00e4rme als \u00bberneuerbar\u00ab irref\u00fchrend und, beim Wort genommen, falsch. Diese Naturelemente sind im Unterschied zu gewachsener Organik nicht ersch\u00f6pfbar und insoweit als Energietr\u00e4ger unbegrenzt verf\u00fcgbar. Zwar ver\u00e4ndern sich Sonnenstrahlung, Luftbewegungen und Wasserkreisl\u00e4ufe st\u00e4ndig und sollten daher zutreffender \u00bbdie st\u00e4ndig Wandelbaren\u00ab genannt werden. Wenn man \u00fcberhaupt davon sprechen kann, dass sie sich \u00bberneuern\u00ab, so tun sie das ganz unabh\u00e4ngig davon, dass ihr Energiepotenzial durch uns \u00bbangezapft\u00ab wird. Der Betrieb von noch so vielen Windr\u00e4dern \u00bbverbraucht\u00ab dagegen keine Luftbewegung. Die Windpotenziale der Erde nehmen durch energetische Nutzung nicht ab. Luftbewegungen ver\u00e4ndern sich st\u00e4ndig \u2013 und \u00bberneuern\u00ab sich insofern \u2013, jedoch geschieht das ganz unabh\u00e4ngig von eventuell zwischengeschalteten Windr\u00e4dern. Die Einstrahlung der Sonne wird nicht schw\u00e4cher, wenn infrarote W\u00e4rmestrahlung thermosolar konzentriert wird, oder wenn UV-Strahlung in PV-Zellen Spannungszust\u00e4nde erzeugt. Die in Gew\u00e4ssern, der Luft oder in unterirdischen Schichten vorhandenen Wassermengen ver\u00e4ndern sich und ihre Kraftpotenziale in der Summe nicht, wenn aus ihrer Bewegung Energie extrahiert wird. Erdw\u00e4rme ist mit der gl\u00fchend aufgeheizten Unterwelt unseres Planeten in einem so ungeheuren Umfang vorhanden, dass eine nur die Au\u00dfenhaut des Erdk\u00f6rpers ritzende energetische Nutzung quantitativ nichts ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Die spezifische Differenz dieser Energietr\u00e4ger gegen\u00fcber den fossilen wie den biogenen Quellen ist ihre praktisch unbegrenzte Verf\u00fcgbarkeit, soweit sie zur Deckung menschlichen Energiebedarfs in Anspruch genommen werden. Zwar ist die Errichtung solarer, durch Wind, Wasser oder Erdw\u00e4rme betriebener Anlagen keineswegs unbeschr\u00e4nkt m\u00f6glich \u2013 allein die Verf\u00fcgbarkeit des dazu erforderlichen Materials setzt Grenzen. Bez\u00fcglich der Energiequellen selbst ist das jedoch nicht der Fall. Sachgerechter ist es daher, von \u00bbbleibenden\u00ab, \u00bbunersch\u00f6pflichen\u00ab oder \u00bbdauerhaft verf\u00fcgbaren Energietr\u00e4gern\u00ab zu sprechen; \u00bbErneuerbarkeit\u00ab von Energietr\u00e4gern impliziert hingegen nur begrenzte Verf\u00fcgbarkeit und vor allem Verwundbarkeit. Daher sind biogene Energietr\u00e4ger nicht nur aufgrund ihrer materiellen Substanz (Organik) eher in eine Reihe mit den fossilen Energietr\u00e4gern Kohle, Erd\u00f6l und Erdgas zu stellen. Auch diese sind begrenzt verf\u00fcgbar, ersch\u00f6pfbar \u2013 und erneuerbar. Letzteres allerdings in Jahrmillionen zu rechnenden Zeitr\u00e4umen. Auch darum ist ihre weitere Auspl\u00fcnderung und Verbrennung binnen weniger Jahrzehnte menschlicher Zivilisation nicht zu verantworten.<\/p>\n<p>Unter einem weiteren Aspekt sind biogene und fossile Energietr\u00e4ger eher einander zuzuordnen und von den \u00bbDauerhaften\u00ab zu unterscheiden. Das in organischem Material, in Kohle, Erd\u00f6l wie Erdgas schlummernde energetische Potenzial setzt die Menschheit des 21. Jahrhundert noch immer nach demselben Verfahren frei, wie das unsere Vorfahren vor sch\u00e4tzungsweise einer halben Million Jahren gelernt und weitergegeben haben: Wir erzeugen, b\u00e4ndigen und regulieren Feuer. Diese Fertigkeit, die die menschliche Kulturbildung und wahrscheinlich die definitive Trennung des homo sapiens von seinen n\u00e4chsten Artverwandten auf der Erde begr\u00fcndet, findet selbst in den ausgefeiltesten Techniken in Energieumwandlung weiter Anwendung.<\/p>\n<p>Zwar gewinnen wir das energiespendende Feuer letztlich nur aus der Sonne. Jedoch die Energie der Sonne selbst, wie die der Winde, des Wassers und der Erdw\u00e4rme nutzen wir ohne jede Zwischenschaltung von Feuer. Wir konzentrieren Sonnenw\u00e4rme oder greifen auf unterirdische Erdw\u00e4rme zur\u00fcck; vor allem aber bedienen wir uns der erst seit 150 Jahren gezielt betriebenen Transformation von Licht- oder Bewegungs-Energie zu Strom. Aus den unersch\u00f6pflichen Energietr\u00e4gern k\u00f6nnen W\u00e4rme, Licht und Bewegungskraft gewonnen werden, und zwar ohne die bei den erneuerbaren Energien n\u00f6tige Zwischenstufe des Feuers, also der Vernichtung des Materials.<\/p>\n<p>Nicht mit \u00bberneuerbaren Energien\u00ab, also plus biogene Tr\u00e4ger, beginnt das \u00fcber die Industrialisierungsphase hinausreichende Energiezeitalter, sondern mit der umfassenden Nutzung der unersch\u00f6pflichen Energien, also minus Biomasse. Eine umfangreiche Nutzung der \u00bbst\u00e4ndig Wandelbaren\u00ab und zugleich\u00bb Dauerhaften\u00ab kann den Abschied vom Feuer als Paradigma der Energiegewinnung einl\u00e4uten \u2013 wenn wir die Zeichen der Zeit zu deuten wissen.<\/p>\n<h3>Mobilit\u00e4t gegen Menschenrechte<\/h3>\n<p>Aus biogenen Quellen gewonnener Kraftstoff wurde besonders wegen m\u00f6glicher Gef\u00e4hrdung der Ern\u00e4hrungssicherheit zum Streitfall: \u00bbTank oder Teller?\u00ab, wie das zugespitzt formuliert wird. Anlass war und ist eine sich verschlimmernde weltweite Ern\u00e4hrungskrise. Im Mittel stiegen die Weltmarktpreise von Januar 2002 bis Juni 2008 um 130 Prozent, von Januar 2007 bis Juni 2008 allein um 56 Prozent.2 Vor allem die Preise f\u00fcr die Grundnahrungsmittel Mais, Weizen, Reis und Bohnen schnellten binnen Jahresfrist um mehr als das Doppelte in die H\u00f6he. Insbesondere die st\u00e4dtischen Armen in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern gerieten in eine existentiell bedrohliche Lage. Die ohnehin geringen Einkommen reichten vielfach nicht mehr, um nur den t\u00e4glichen Bedarf an Nahrung zu decken. Immer mehr Menschen litten an chronischem Hunger und Unterern\u00e4hrung mit schwerwiegenden gesundheitlich Folgen. UN-Organisationen sch\u00e4tzen, dass sich die Zahl der Hungernden in dieser Zeit von ohnehin erschreckenden fast 900 Millionen auf eine Milliarde Menschen erh\u00f6ht hat.<\/p>\n<p>Die Ursachen der Preisentwicklungen sind komplex und in ihrem Zusammenwirken schwer durchschaubar. Der rasante Preisanstieg f\u00fcr Erd\u00f6l war zweifellos einer der Wirkfaktoren, wie auch der Preisverfall des Dollars als weltweite Leitw\u00e4hrung, klimabedingte Ernteausf\u00e4lle in wichtigen Exportl\u00e4ndern wie damals Australien und Kasachstan und \u2013 last but not least \u2013 kontinuierlich steigender Konsum tierischer Produkte durch die finanzkr\u00e4ftigen Ober- und Mittelklassen weltweit.<\/p>\n<p>Genannt wird zudem immer der rasant anwachsende Anbau von Energiepflanzen, der sich in vielen L\u00e4ndern binnen weniger Jahre mehr als verdoppelt hat. Wie ist seine Auswirkung auf die Ern\u00e4hrungssituation zu bewerten? Ein inzwischen klassisches Beispiel ist der Tortilla-Konflikt.<sup>3<\/sup><\/p>\n<p>Der weltweite Beitrag des Energiepflanzen-Anbaus zur Weltern\u00e4hrungskrise der letzten Jahre wird sehr unterschiedlich eingesch\u00e4tzt. Die US-Administration bezifferte den Anteil der Agrokraftstoffe am Preisanstieg 2007\/8 auf drei Prozent. Mit Blick auf den Tortilla-Konflikt erscheint das eher besch\u00f6nigend. Entwicklungspolitische Organisationen stellten das Problem dramatischer dar. So sch\u00e4tzte Oxfam den Preisanstieg auf 30 Prozent, mit der Folge, dass sich die Zahl der chronisch Hungernden auf 30 Millionen Menschen erh\u00f6ht habe.<sup>4<\/sup> Eine Studie der Weltbank errechnete sogar, dass der Preisanstieg f\u00fcr Grundnahrungsmittel von 2002 bis 2008 zu 70\u201375 Prozent auf den Boom der Agro-Kraftstoffe zur\u00fcckzuf\u00fchren sei.5 Ihr Autor setzt allerdings in seinen Berechnungen voraus, dass die spekulativen Preisaufschl\u00e4ge, etwa verursacht durch Hedge-Fonds, keine Eigendynamik entwickeln, sondern ohnehin eintretende Ver\u00e4nderungen, Preis- und W\u00e4hrungsverschiebungen lediglich \u00bbabbilden\u00ab. Diesem marktliberalen Dogma sollten wir nicht folgen.<\/p>\n<p>Dennoch hilft die Weltbank-Studie weiter, weil sie die Wirkung schwankender Reservebest\u00e4nde im Welthandel einbezieht. Die wheat stocks f\u00fcr Getreide haben sich in den Jahren 2001 bis 2007 von rund 200 auf 120 Millionen Tonnen verringert. Im gleichen Zeitraum nahm hingegen der Anteil der f\u00fcr Energiepflanzen genutzten Landfl\u00e4chen in den acht haupts\u00e4chlichen Exportl\u00e4ndern von Brotgetreide um \u00fcber ein Drittel zu. Eine Simulationsrechnung ergibt, dass sich die Best\u00e4nde der Reservelager nicht verringert h\u00e4tten, sofern die f\u00fcr Energiepflanzen umgewidmeten Fl\u00e4chen im vollen Umfang f\u00fcr Brotgetreide genutzt worden w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Nun darf man, anders als der Autor der Weltbank das implizit tut, nicht unterstellen, dass die f\u00fcr Energiepflanzen zus\u00e4tzlich genutzte Landfl\u00e4che andernfalls dem Anbau von Brotgetreide gedient h\u00e4tte. Immer aber gilt: Wenn und wo Land, auf dem bisher Brotgetreide kultiviert wurde, zum Anbau von Energiepflanzen umgewidmet wurde, gilt, dass die Ertr\u00e4ge der F\u00fcllung von \u00bbTanks\u00ab und nicht der von \u00bbTellern\u00ab dienten. Da zuverl\u00e4ssige Gesamtrechnungen nicht m\u00f6glich sind, muss der Versuch belastbarer Quantifizierung allerdings scheitern. Gleichwohl findet die Verdr\u00e4ngung von Brot- durch Energiepflanzen weithin und weiterhin statt. In entsprechenden Mengen fehlt das substituierte Brotgetreide auf dem Weltmarkt oder in den regionalen und lokalen Versorgungsstrukturen, mit negativen Folgen auf die Nahrungsmittelpreise.<\/p>\n<p>Dem Dilemma \u00bbTank oder Teller\u00ab dadurch zu entgehen, dass konsequent Neuland unter den Pflug genommen oder bisheriges Ackerland intensiver genutzt wird, statt Brotfr\u00fcchte-Anbau durch Energiepflanzen zu substituieren, verlagert nur die Probleme. Zum einen gehen solche Entwicklungen mit einer Verdr\u00e4ngung von Kleinbauern und einer \u00bbKl\u00e4rung\u00ab zuvor gemeinschaftlicher Landrechte zugunsten der Exklusivanspr\u00fcche von Agrarunternehmen zusammen.6 Zum zweiten verschlechtert Intensiv- oder Um-Nutzung in der Regel die \u00d6kobilanz. So schadet der Umbruch bisherigen Graslandes in Ackerfl\u00e4che der biologischen Vielfalt, setzt gro\u00dfe Mengen des im Boden gebundenen Kohlenstoffs in oxydierter Form als Treibhausgas frei und f\u00fchrt bei vorheriger Viehwirtschaft zu deren Verdr\u00e4ngung in bisher agrarisch nicht genutzte Gebiete, wie \u2013 Beispiel Amazonien \u2013 dadurch vernichteten Regenwald. Eine j\u00fcngst fertig gestellte Auftragsstudie der EU-Kommission7 soll ergeben, dass die Politik der Staatengemeinschaft zur Ausweitung des Agro-Kraftstoffs der EU den Anteil der generierten Treibhausgase signifikant erh\u00f6ht. Aus klimapolitischer Sicht ist das schlicht ein Desaster.<\/p>\n<p>Mobilit\u00e4t im globalen Norden frisst also Menschlichkeit im globalen S\u00fcden. Nach einhelliger Auffassung der Sozialphilosophie sind Schritte zur Erhaltung oder Verbesserung eines gef\u00e4hrdeten Lebensstandards in den reichen Weltregionen und Sozialklassen nur dann als gerecht zu verteidigen, wenn sie zugleich die Lebenslage in den armen Bev\u00f6lkerungsschichten merklich verbessern.<sup>8<\/sup> Wenn, wie im er\u00f6rterten Problem, das eindeutig nicht der Fall, vielmehr eine gegenteilige Entwicklung zu erwarten und eingetreten ist, kann sich eine moralischen Beurteilung nicht darauf zur\u00fcckziehen, dass die genauen Ausma\u00dfe der negativen Wirkungen nicht bekannt und vielleicht sogar deutlich geringer sind, als Kritiker es an die Wand malen. Wenn Staaten(-gemeinschaften) wie die USA, die EU und Deutschland weiter auf biogene Kraftstoffe und deren Ausbau setzen, versto\u00dfen sie gegen Prinzipien der Gerechtigkeit und Moral, die durchaus universelle Geltung beanspruchen.<\/p>\n<h3>Konsequenzen f\u00fcr die EU<\/h3>\n<p>Anzunehmen, dass politisches Handeln konsensf\u00e4higen ethischen Regeln folgt, ist wenig realit\u00e4tsgerecht. Zynisch w\u00e4re es jedoch, damit \u00fcberhaupt ernsthafte Bem\u00fchungen auszuschlie\u00dfen, mit wirtschafts- und energiepolitischen Regelungen Belangen der armen Bev\u00f6lkerung in Entwicklungsl\u00e4ndern nicht noch zus\u00e4tzlich zu schaden. Deshalb wird eine machbare Alternative zur gegenw\u00e4rtigen EU-Politik bez\u00fcglich der biogenen Kraftstoffe vorgeschlagen Die gegenw\u00e4rtige EU-Regelung, die Beimischungspflicht f\u00fcr Biokraftstoffe in H\u00f6he von 5,75 Prozent beizubehalten und diese schrittweise bis 2020 auf voraussichtlich 10 Prozent zu steigern, erwies sich als Mittel zur Verringerung klimawirksamer Gase als eher kontraproduktiv und in ihren sozialpolitischen Wirkungen au\u00dferhalb der westlichen Industriel\u00e4nder als negativ. Ihre schrittweise und konsequente Zur\u00fccknahme ist daher vern\u00fcnftig.<\/p>\n<p>Die einfache Streichung der Beimischungspflicht als Einzelma\u00dfnahme \u00fcberzeugt allerdings aus zwei Gr\u00fcnden nicht. Beim gegenw\u00e4rtigen und voraussichtlich wachsenden Verkehrsaufkommen in der EU w\u00fcrde sich damit zun\u00e4chst der Einsatz fossiler Kraftstoffe erh\u00f6hen. Die EU geriete in noch st\u00e4rkere Abh\u00e4ngigkeit von mit peak oil sich verknappenden \u00d6limporten \u2013 zudem w\u00fcrde der Aussto\u00df von Treibhausgasen nicht verringert. Der Klimawandel w\u00e4re mit einer einfachen Rolle r\u00fcckw\u00e4rts nicht einged\u00e4mmt. Da unter ihm \u00fcberwiegend wenig entwickelte Regionen und dort die arme Bev\u00f6lkerung zu leiden haben, w\u00e4re auch das aus moralischer Sicht abzulehnen, da Nichtstun jedem Bem\u00fchen um weltweite Klimagerechtigkeit widerspricht.<\/p>\n<p>Diesem Dilemma kann die EU entgehen, wenn sie den Abbau der Beimischungspflicht mit der Einf\u00fchrung eines strikten und fl\u00e4chendeckenden Emissionshandels f\u00fcr Kraftstoffe verbindet. Dazu sind CO2-Obergrenzen f\u00fcr den Verkehrssektor festzulegen, die mit den Jahren schrittweise so weit zu verringern sind, dass die Reduktionsziele der EU \u2013 -30 Prozent 2020, gerechnet auf 1990; -80-95 Prozent 2050 \u2013 insgesamt eingehalten werden k\u00f6nnen. Die jeweils pro Jahr ausgegebenen CO2-Zertifikate m\u00fcssen von den gro\u00dfen Verteilunternehmen f\u00fcr Kraftstoffe ersteigert werden. Mit den Versteigerungserl\u00f6sen h\u00e4tte die EU zugleich Mittel in der Hand, um ihre in Kopenhagen 2009 eingegangenen Verpflichtungen einzul\u00f6sen, betroffene und nicht verursachende L\u00e4nder und Bev\u00f6lkerungsgruppen beim Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen finanziell und organisatorisch zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Nach dem hier nur skizzierten Konzept9 wird die CO2-Minderung real durch Verringerung des gesamten Kraftstoffverbrauchs erreicht. Die motorisierte Mobilit\u00e4t in Europa w\u00fcrde nicht auf Kosten globaler Gerechtigkeit in voller H\u00f6he aufrecht erhalten oder gar gesteigert, sondern in einer dreifachen Handlungsalternative<\/p>\n<ul>\n<li>insgesamt verringert,<\/li>\n<li>effizienter bei geringerem Spritverbrauch gestaltet,<\/li>\n<li>durch Antriebssysteme ersetzt, die nicht auf der Verbrennung von Kohlenstoff basieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Emissionshandel mit strikten und kontinuierlich sinkenden Obergrenzen im Verkehr ist ein starkes wirtschaftspolitisches Instrument, um die Einf\u00fchrung effizienter Motoren und verbrauchsarmer Fahrzeuge zu beschleunigen. Zudem gibt sie deutliche Impulse, die Mobilit\u00e4t schneller und st\u00e4rker auf Elektro-Antrieb umzustellen. Diese Substitution ist klimapolitisch dann schl\u00fcssig, wenn im Sektor der Stromerzeugung die Chance genutzt wird, die Motorbatterien mit tageszeitlich wechselnd verf\u00fcgbarem Strom aus Wind- und Sonnenenergie aufzuladen. Und nicht zuletzt verbindet sich ein konsequenter Emissionshandel im Verkehrssektor mit der Erwartung, die im Weltvergleich weit \u00fcberzogenen Mobilit\u00e4tsanspr\u00fcche in der EU Zug um Zug einem im globalen Ma\u00dfstab nachhaltigen Standard anzugleichen.<\/p>\n<p>Aus einem weiteren Grund reicht die einfache R\u00fccknahme der Beimischungspflicht nicht aus. Der Wirtschaftssektor der Agro-Kraftstoffe hat inzwischen eine Dynamik entwickelt, die ihn auch ohne diese Regelung lebensf\u00e4hig halten k\u00f6nnte. Die Preise f\u00fcr Erd\u00f6l und daraus gewonnenem Treibstoff werden mit dem Schwinden der Erd\u00f6lressourcen und erh\u00f6hten F\u00f6rderkosten stark ansteigen. Die Einf\u00fchrung eines strikt mengenreduzierenden Emissionshandels mit Versteigerungspflicht im Verkehrsbereich treibt die Preise f\u00fcr diese Art von Kraftstoff weiter hoch. Somit k\u00f6nnen biogene Kraftstoffe wirtschaftlich attraktiv werden, zumal sich ihr Anbau auf die milliardenschweren EU-Agrarsubventionen st\u00fctzen kann.<\/p>\n<p>Es bleibt daher unumg\u00e4nglich, auch f\u00fcr den biogenen Kraftstoffsektor quantifizierbare Kriterien zu entwickeln, um die jeweilige Bilanz in der Generierung klimawirksamer Gase berechenbar zu machen. Diese Kriterien m\u00fcssen im Emissionshandel wie bei Erd\u00f6l Ber\u00fccksichtigung finden. Sekundiert von einer Einschr\u00e4nkung sonstiger F\u00f6rderma\u00dfnahmen wird das aller Voraussicht nach dazu f\u00fchren, dass sich die Erzeugung biogenen Kraftstoffs auf ein umweltpolitisch durchaus sinnvolles, nicht Fl\u00e4chen beanspruchendes und vor allem ausbauf\u00e4higes Segment beschr\u00e4nkt: Die Transformation von organischen Abf\u00e4llen und in der Natur \u00fcbersch\u00fcssigen Reststoffen zu Biogas.<\/p>\n<p>Bleibt der Import biogener Energietr\u00e4ger, der aufgrund der ungleichen Tauschverh\u00e4ltnisse auf dem Weltmarkt weiterhin wirtschaftlich lukrativ sein d\u00fcrfte. Angesichts der angesprochenen \u00f6kologischen und sozialen Probleme von Landnutzungs\u00e4nderungen in den produzierenden Region sehe ich hier keine andere L\u00f6sung als einen EU-weiten Importstopp f\u00fcr biogene Energien. Die EU kann und sollte das mit der Beendigung jeglicher EU-internen Subventionierung des Exports von Nahrungsmitteln verbinden, um der Sch\u00e4digung regionaler M\u00e4rkte im S\u00fcden vorzubeugen.<\/p>\n<p>Ein solcher Importstopp findet bisher wenig Anklang. Auch viele innereurop\u00e4ische Umweltorganisationen setzen stattdessen auf die Einf\u00fchrung von Regeln der \u00f6kologischen und sozialen Zertifizierung. Aber ist die Einhegung eines Weltmarkts f\u00fcr Agrokraftstoffe in \u00f6kologische und soziale Leitplanken eine realit\u00e4tst\u00fcchtige Option?<\/p>\n<h3>Soziale und \u00f6kologische Leitplanken<\/h3>\n<p>Zentrale Voraussetzung f\u00fcr eine solche Option ist zun\u00e4chst die Chance eines zuverl\u00e4ssigen Einsatzes vereinbarter Zertifizierungsregeln. Angesicht der endemischen Korruption in den weitaus meisten L\u00e4ndern, die f\u00fcr au\u00dfereurop\u00e4ische Biomasse-Importe in Frage kommen, ist das gegenw\u00e4rtig nicht vorstellbar. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass festgelegte Regeln \u00fcbergangen und Scheinzertifikate ausgestellt werden. Man k\u00f6nnte allenfalls argumentieren, dass die Vereinbarung von Zertifizierungsregeln eine Art zivilisatorischen Effekt auf die Wirtschaftspraxis der fraglichen L\u00e4nder haben kann. Das Prinzip Hoffnung darf jedoch ein zuverl\u00e4ssig funktionierendes Regelsystem nicht ersetzen; zumindest w\u00e4re dann ein \u00dcbergangszeitraum von unbestimmter Dauer und einem unklaren Ausgang hingenommen, bei dem ausgestellte Zertifizierungen immer mit einem Fragezeichen zu versehen sind. F\u00fcr eine zugleich sozialvertr\u00e4gliche Strategie des Klimaschutzes ist das ein entschieden zu d\u00fcnnes Eis.<\/p>\n<p>Vor allem aber sind starke Zweifel angebracht, ob hinreichend aussagef\u00e4hige Kriterien der Zertifizierung \u00fcberhaupt entwickelbar sind. Nicht zuf\u00e4llig gibt es Zertifizierungssysteme bisher nur im naturwissenschaftlich zu kl\u00e4renden Bereich: Dort sind eindeutige und insofern \u00fcberpr\u00fcfbare Operationalisierungen in der Regel m\u00f6glich. Wir k\u00f6nnen Alter wie Art der B\u00e4ume eines Holztransports und, durch Anwendung von DNA-Analysen, den ungef\u00e4hren Ort seiner Herkunft kl\u00e4ren. Entscheidbar ist auch, ob bei F\u00e4llma\u00dfnahmen Wald breitfl\u00e4chig gerodet oder vorsichtig und bestandserhaltend gelichtet wurde. Doch schon hier beginnen Grauzonen. Wie umfangreich war der Eingriff? Hat der Einsatz schwerer Maschinen Sch\u00e4den verursacht? Ist der Bau von Pisten zum Abtransport aus sonst unzug\u00e4nglichem Gebiet noch vertretbar?<\/p>\n<p>Erst recht uneindeutig wird eine Zertifizierung, wenn sie gesellschaftliche Kriterien der Nachhaltigkeit betrifft. So hat jeder Einschlag von Holz zu Exportzwecken im Einzelfall nur schwer absch\u00e4tzbare Folgen f\u00fcr die Gemeinden und Bewohner im engeren wie im weiteren Umkreis. Generell l\u00e4sst sich sagen, dass mit jedem erfolgten Holzexport eine entsprechende, nachhaltig nutzbare Menge f\u00fcr den Bedarf im Gebiet selbst fehlt. Wie wirkt sich das nun vor Ort aus? Werden die dort lebenden Menschen weiterhin Holz einschlagen und damit die schon zuvor fragliche Grenze einer nachhaltigen Nutzung definitiv \u00fcberschreiten? Wird der regionale Holzbedarf nunmehr aus benachbarten Gebieten abgedeckt, und welche Folgen hat das dort?<\/p>\n<p>Nehmen wir als weiteres Beispiel die Umstellung auf Energiepflanzen-Anbau f\u00fcr Exportzwecke. Sofern auf den daf\u00fcr vorgesehenen Fl\u00e4chen Ackerbau betrieben wurde, verringert sich diese Produktion im entsprechenden Umfang. Damit werden aller Voraussicht nach die Preise f\u00fcr Nahrungsmittel auf den regionalen M\u00e4rkten anziehen. Ob und in welchem Umfang das geschieht, lie\u00dfe sich, wenn \u00fcberhaupt, erst in den entfernt liegenden St\u00e4dten feststellen, in denen die Lebensmittelversorgung \u00fcberwiegend marktabh\u00e4ngig ist. Sind die St\u00e4dte damit mehr auf Lebensmittelimporte angewiesen und die arme Bev\u00f6lkerung st\u00e4rker von den Schwankungen der Weltmarktpreise abh\u00e4ngig? Wie l\u00e4sst sich eine solche Wirkungskette vermeiden, wenn ein Land den Energiepflanzenanbau f\u00fcr Exportzwecke f\u00f6rdert? Jedes Zertifizierungssystem w\u00e4re \u00fcberfrachtet, wenn es diese Problemlagen ber\u00fccksichtigen soll. Gerade sie sind aber f\u00fcr die Lebenslage der einheimischen Bev\u00f6lkerung relevant.<\/p>\n<p>Eine Einschr\u00e4nkung des Marktes f\u00fcr Grundnahrungsmittel ist dann nicht zwangsl\u00e4ufig gegeben, wenn vorheriges Grasland \u2013 oder gar Wald \u2013 f\u00fcr den Anbau von Agrokraftstoffen umgebrochen wird. Sofern die Fl\u00e4che zuvor als Viehweide diente, stellt sich dann aber die Frage, ob bei konstanter Marktnachfrage die Viehhaltung zuk\u00fcnftig anderswo und unter welchen Umst\u00e4nden stattfindet sowie, welche Folgen das hat. Zu den \u00f6kologisch klar nachteiligen M\u00f6glichkeiten z\u00e4hlt hier die Abholzung von Wald zwecks Umwandlung in Weide oder die Trockenlegung von Feuchtgebieten zu Viehweiden. Wie k\u00f6nnen solche eher weitr\u00e4umigen Folgewirkungen im Zertifizierungsprozess \u00fcberpr\u00fcft werden?<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass der Umbruch von nat\u00fcrlich bewachsenem Land, vor allem von Grasland zu Ackerland eine deutliche \u00f6kologische Verschlechterung darstellt und in signifikanten Mengen klimawirksame Gase freisetzt. Jedes Zertifizierungssystem, das mehr als ein Placebo f\u00fcr eine weiterhin schlechte Praxis sein soll, m\u00fcsste diese Art der Umnutzung von Land durchg\u00e4ngig ausschlie\u00dfen. Wie das \u00fcberpr\u00fcfbar sein soll, ist allerdings unklar.<\/p>\n<p>Vollst\u00e4ndig unklar ist schlie\u00dflich, wie eine Zertifizierung soziale Auswirkungen f\u00fcr die b\u00e4uerliche Bev\u00f6lkerung erfassen kann. Wenn landwirtschaftliche Produktion auf Vermarktung durch Export umgestellt werden soll, wird eine Kl\u00e4rung der Landrechte unumg\u00e4nglich. In vorkapitalistischen b\u00e4uerlichen und (halb-)nomadischen Gesellschaften sind diese in aller Regel ungekl\u00e4rt oder gemeinwirtschaftlich mit jeweils neuen Aushandlungen unter den bewirtschaftenden Familien und Clans gestaltet. Wie soll ein Zertifizierungsverfahren erfolgreich sicherstellen, dass im direkten oder indirekten Zugriff exportorientierter Kapitalunternehmen die Belange und Anspr\u00fcche der indigenen oder autochthonen Bev\u00f6lkerung fair und angemessen ber\u00fccksichtigt werden?<\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t weist mit dem land grabbing \u2013 angemessen zu \u00fcbersetzen als legalisierter Landraub \u2013 in die gegenteilige Richtung. Nach Sch\u00e4tzungen der entwicklungspolitischen NGO INKOTA wurden von 2006 bis 2009 von dieser faktischen Enteignung der urspr\u00fcnglichen Nutzer weltweit zwischen 22 und 50 Millionen Hektar an Land erfasst, das entspricht einem Viertel bis der H\u00e4lfte der Ackerfl\u00e4chen innerhalb der EU. Einen gro\u00dfen Anteil deckt dabei die Inanspruchnahme f\u00fcr Energiepflanzen (Holz, \u00d6lpalme, Jatropha, Zuckerrohr etc.) ab. Wie wird entschieden, ob hier Landenteignung stattgefunden hat? Inwieweit macht sich ein Zertifizierungssystem der Hinnahme von Landraub schuldig, wenn Jahre sp\u00e4ter der das Land okkupierende Konzern wegen umweltschonender Bewirtschaftung und akzeptablen Arbeitsbedingungen zugelassen wird?<sup>10<\/sup><\/p>\n<p>Auch ist am gr\u00fcnen Tisch der Zertifizierung kaum entscheidbar, ob der mit der Umstellung auf Exportm\u00e4rkte h\u00e4ufige Wechsel von Kleinpachten zu immer ungesicherter Lohnarbeit eine wirtschaftliche und soziale Verschlechterung darstellt. Welche Rolle spielt dabei der kulturelle Faktor des Wechsels von autonomer zu abh\u00e4ngiger T\u00e4tigkeit? Wie vergleichen wir Lohnh\u00f6hen mit den weitgehend der Subsistenz dienenden Eink\u00fcnften der vormaligen Kleinbauern? Welche Rolle spielen vertragliche Vereinbarungen, das formelle Arbeitsrecht, das Risiko, als Landarbeiter jederzeit entlassen zu werden? Ein zumindest operationalisierbares Kriterium, die Zahl der geschaffenen sowie der \u00bbeingesparten\u00ab Arbeitspl\u00e4tze, f\u00fchrt in der Regel zu einer Negativbilanz: Bezogen auf das n\u00f6rdliche Lateinamerika bieten 100 Hektar b\u00e4uerlich bewirtschafteter Familienbetriebe f\u00fcr 35 Menschen Arbeit, 100 Hektar Eukalyptusplantage einen, 100 Hektar Sojafelder zwei und 100 Hektar Zuckerrohr oder \u00d6lpalme 10 Arbeitspl\u00e4tze.<sup>11<\/sup> Allein wegen der zumeist einschr\u00e4nkenden Folgen auf den Arbeitsmarkt, noch dazu in zumeist von Massenarbeitslosigkeit und prek\u00e4ren T\u00e4tigkeiten gepr\u00e4gten Regionen, ist der Wechsel von kleinb\u00e4uerlicher Parzellen- zu Plantagen- und Gro\u00dffelderwirtschaft kaum \u00bbsozialvertr\u00e4glich\u00ab zu nennen.<\/p>\n<h3>Wald und Energiehunger<\/h3>\n<p>Innerhalb der EU nimmt seit einiger Zeit die energetische Nutzung von Holz deutlich zu. Vorreiter sind \u00d6sterreich und Schweden, auch in Deutschland hat sich die Menge an Holzfeuerung von 2002 bis 2008 mehr als verdoppelt.<sup>12<\/sup> Impulsgebend war hier \u2013 wie beim fl\u00fcssigen oder gasf\u00f6rmigen biogenen Brennstoff \u2013 das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das die Einspeisung von Strom zu g\u00fcnstigen Preisen gestattet. Die Errichtung von Holzkraftwerken ist aus finanzieller Sicht attraktiv. Vor allem aber reagieren die Betreiber von Kohlekraftwerken auf Entwicklungen im EU-Emissionshandel, die sie ab 2013 verpflichten, ihre Zertifikate zur Emission von Kohlendioxid zu ersteigern. Kohleverstromung verteuert sich damit, und in zunehmendem Ma\u00df, da der Markt der Zertifikate f\u00fcr Gro\u00dfemittenten Jahr f\u00fcr Jahr um 1,74 Prozent schrumpft. Viele Kraftwerksbetreiber suchen daher dem Preisdruck des Emissionshandels auszuweichen, indem sie in ihren Anlagen formell CO2-neutrale Biomasse, zumeist Holz, mitverfeuern. Der Mengenbedarf an Holz ist relativ zur Kohle, seiner geringeren Energiedichte entsprechend, hoch.<sup>13<\/sup><\/p>\n<p>Dass ein derart immenser Bedarf nicht regional oder \u00fcber den EU-Binnenmarkt abzudecken ist, liegt auf der Hand. Der Holzmarkt in Deutschland ist \u00fcberbeansprucht, der Verband der Holzwerkstoffindustrie schl\u00e4gt Alarm, die in vielen Regionen betriebene naturgem\u00e4\u00dfe Waldwirtschaft wird durch \u00fcberm\u00e4\u00dfige Holzentnahme untergraben. Der Weg zur Holzbeschaffung auf dem Weltmarkt ist vorgezeichnet. Die auf Holzzufeuerung setzenden Energiekonzerne wie Vattenfall und RWE schlie\u00dfen bereits Vertr\u00e4ge zur Zulieferung aus au\u00dfereurop\u00e4ischen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Ohne hier in Details zu gehen,<sup>14<\/sup> sind negative \u00f6kologische wie soziale Auswirkungen dieser Importstrategie absehbar. Wir leben in einer Zeit, in der weltweit Waldbest\u00e4nde schwinden aufgrund weiter steigenden Holzbedarfs, als Folge von Landnutzungs\u00e4nderungen (Viehweiden, Plantagen, Landwirtschaft), teilweise auch mit dem sich bereits vollziehenden Klimawandel. Mit ihrem Konsumanspr\u00fcchen und ihrem vielf\u00e4ltigen Holzbedarf sind die wirtschaftsstarken Industriel\u00e4nder ohnehin Hauptverursacher des Klimawandels, zentrale Akteure in der chronischen \u00dcbernutzung der W\u00e4lder. Wenn sie ihre Nutzungsanspr\u00fcche an Holz mit der Ausweitung seiner energetischen Verwertung noch steigern, wird der ohnehin dramatische Schwund der Waldbest\u00e4nde nur beschleunigt. Es grenzt an politische Schizophrenie, wenn sich die EU \u2013 gut und richtig \u2013 auf den Weltklimakonferenzen f\u00fcr den Erhalt der Waldbest\u00e4nde engagiert und \u2013 wie j\u00fcngst in Canc\u00fan geschehen \u2013 die Finanzierung eines globalen Fonds zum Schutz der W\u00e4lder mit beschlie\u00dft, zur gleichen Zeit jedoch eine Energiestrategie zul\u00e4sst und mit ihrer Regelung des Emissionshandels noch bef\u00f6rdert, welche den \u00f6konomischen Druck auf Entwaldung und Waldverluste weiter erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Dabei setzt sich in der internationalen Debatte um Ursachen und Bek\u00e4mpfung von Klimawandel zunehmend die Einsicht durch, dass neben einer dringenden Verringerung der industriell erzeugten Treibhausgase Schritte eingeleitet werden m\u00fcssen, welche geeignet sind, die Biosph\u00e4re, die Biokapazit\u00e4t der Erde zu st\u00e4rken. Neben dem weltweit vereinbarten Ziel des Biodiversit\u00e4tsschutzes ist eine der damit erzielten Wirkungen, dass mehr atmosph\u00e4risch \u00fcbersch\u00fcssiges CO2 wieder organisch im Pflanzenwachstum gebunden wird. W\u00e4lder geh\u00f6ren zu den potentesten und vor allem zu den ausgedehntesten \u00d6kosystemen der terrestrischen Biosph\u00e4re. Sie zu erhalten, ihre Vitalit\u00e4t zu sch\u00fctzen und zu st\u00e4rken und, nicht zuletzt, den weltweiten Waldbestand zu erweitern, ist auch aus klimapolitischen Gr\u00fcnden unabweislich.<sup>15<\/sup><\/p>\n<p>Der Weg der europ\u00e4ischen Energiewirtschaft in die vermehrte Verfeuerung von Holz weist in die Gegenrichtung. Ihn, wie die handelnden Unternehmen und auch manche Akteure aus den Umweltverb\u00e4nden, als sinnvolle Ma\u00dfnahme f\u00fcr den Klimaschutz darzustellen, \u00fcberzeugt nicht. Eher liegt hier ein klassischer Fall von kognitiver Dissonanz vor: W\u00e4hrend der Klimawandels fortschreitet und sich beschleunigt, beruhigt man sich mit der irrigen Annahme, einen wenn auch nur kleinen Schritt zur Linderung der Problemlage \u00bbKlimawandel\u00ab getan zu haben. In Wirklichkeit wird das Dilemma nur vergr\u00f6\u00dfert. Allerdings entlastet die Selbstt\u00e4uschung psychisch wie politisch und ist aus diesem Grund erw\u00fcnscht. Kognitive Dissonanzen dieser Art sind in der Klimapolitik um so wahrscheinlicher, je weniger eine zwar unbequeme, jedoch durchaus realisierbare Kurs\u00e4nderung verfolgt wird, die tats\u00e4chlich aus der Sackgasse weist: Wenn, bei gleichzeitiger Verringerung der Energienutzung in den wirtschaftsstarken Industriel\u00e4ndern, konsequent auf die dauerhaften Energiequellen gesetzt wird und die nur \u00bberneuerbaren\u00ab eine nur marginale Rolle in der energetischen Abfall- und Reststoffverwertung spielen.<\/p>\n<p>Die Strategie eines verst\u00e4rkten Imports von Energieholz ist auch wegen zu erwartender sozialer Folgen problematisch. Innerhalb der EU war die Holznutzung, gemessen zum Gesamtenergieverbrauch, bis in die j\u00fcngste Zeit gering. Sie beschr\u00e4nkte sich, bei eher sinkender Tendenz, im Wesentlichen auf Kleinfeuerungsanlagen, wie sie \u2013 von technischen Verbesserungen abgesehen \u2013 seit Jahrhunderten in Europa \u00fcblich sind. In den \u00fcberwiegend f\u00fcr Holzexporte vorgesehenen L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens hingegen ist der Anteil der energetischen Holznutzung, insbesondere f\u00fcr Kochzwecke, eher dominant. Auch in absoluten Mengen scheint er nach vorliegenden Statistiken die Holznutzung in der EU zu \u00fcbertreffen.<sup>16<\/sup><\/p>\n<p>W\u00e4hrend aber im globalen Norden der industrielle Einstieg in thermische Holznutzung die Beibehaltung eines im Weltvergleich weit \u00fcberh\u00f6hten Energiestandards absichert, ist die Holzfeuerung f\u00fcr die Bev\u00f6lkerungsmehrheit des globalen S\u00fcdens bei weit niedrigerem Lebensstandard schlicht \u00fcberlebensnotwendig. Zugleich f\u00fchrt der dortige hohe Alltagsbedarf an Holz dazu, dass die Waldbest\u00e4nde \u00fcbernutzt und teilweise vernichtet werden. Das anhaltende Bev\u00f6lkerungswachstums und die sich eher steigernde Massenarmut werden nach Lage der Dinge diese ung\u00fcnstige Entwicklung noch beschleunigen. Auch die negativen Umweltfolgen f\u00fcr Wasserhaushalt, Erosion und Desertifikation in w\u00fcstennahen Gebieten wie dem Sahel sind bekannt.<\/p>\n<p>Und so stellt sich in der internationalen Entwicklungsarbeit, mit zus\u00e4tzlichen Impulsen aus den vereinbarten Ma\u00dfnahmen zur Klimawandel-Anpassung, die dringende Aufgabe, in S\u00fcdl\u00e4ndern eine effizientere Nutzung von Brennholz zu unterst\u00fctzen und, noch \u00fcberzeugender, als holzfreie Alternative Techniken etwa thermosolaren Kochens mit organisatorischen und finanziellen Hilfen zu verbreiten. Wenn jedoch vermehrt Holz ebenfalls zur thermischen Verwertung aus Entwicklungsl\u00e4ndern in die wirtschaftsstarken Kernl\u00e4nder verbracht wird, kann sich die ohnehin chronische Holzverknappung f\u00fcr inl\u00e4ndische Zwecke in den betroffenen Exportl\u00e4ndern nur verst\u00e4rken. Und das mit nachteiligen Folgen f\u00fcr die Lebensumst\u00e4nde der Bev\u00f6lkerungsmehrheit.<\/p>\n<h3>Gew\u00f6hnung und Vergessen<\/h3>\n<p>Wir leben in einer gespaltenen Welt. Der globale Norden greift zur Modernisierung seiner Energieversorgung (auch) auf die Potenziale nachwachsender Organik zur\u00fcck. Das ist sinnvoll und aus \u00f6kologischer Sicht vorteilhaft, insofern es organische Abf\u00e4lle und sonst nicht verwertbare Reststoffe betrifft \u2013 also eine eher geringf\u00fcgige Erg\u00e4nzung, kein Bestandteil einer wirklichen Energie-Alternative. Jetzt aber wird die Nutzung biogener Energien durch direkten oder indirekten Zugriff auf nachwachsende Rohstoffe aus anderen Erdregionen ausgeweitet.<\/p>\n<p>Der Zugriff trifft im globalen S\u00fcden auf eine Situation, die durch \u00dcbernutzung und teilweise Auspl\u00fcnderung der Biosph\u00e4re gekennzeichnet ist, verursacht durch vielf\u00e4ltige Gr\u00fcnde wie Bev\u00f6lkerungswachstum, Expansion kapitalistischer M\u00e4rkte oder imperiale Wirtschaftsinteressen aus dem globalen Norden. Die chronische Degradierung der Biosph\u00e4re wird durch verst\u00e4rkten Zugriff f\u00fcr energetische Nutzungen verst\u00e4rkt. Im globalen S\u00fcden stellt sich aber vorrangig die Aufgabe, der notorischen \u00dcbernutzung der Biosph\u00e4re Einhalt zu gebieten. Zum Beispiel stehen wir hier vor der Herausforderung, den hohen t\u00e4glichen Bedarf der Bev\u00f6lkerungsmehrheit an Holzkohle und Brennholz wirksam und in sozialvertr\u00e4glicher Weise zu verringern.<\/p>\n<p>Warum sind hochindustrialisierte Gesellschaften des 21. Jahrhunderts so stark auf biogene Energien als eine Zukunftsoption fixiert? Ich sehe hier soziokulturelle Zusammenh\u00e4nge mit der langfristig einge\u00fcbten Habitualisierung eines spezifischen Umgangs mit Energie:17 Sie \u00fcber den Prozess der Verbrennung von organischem Material freizusetzen, ist \u00fcber Jahrhunderttausende einge\u00fcbt und als eingespielte Praxis verfestigt. Die Z\u00e4hmung des Feuers ist zweifellos eine der gr\u00f6\u00dften zivilisatorischen Leistungen, Die Industrialisierung hat konsequent \u2013 mit teils neuen Techniken wie der Dampfmaschine und der Turbine, teils mit erprobten wie der M\u00fchle \u2013 auf die weitere Entfesselung von Energiepotenzialen gesetzt. Erm\u00f6glicht wurde dies durch Zugriff auf die \u00bbunterirdischen W\u00e4lder\u00ab, zun\u00e4chst die Kohle, sp\u00e4ter auch Erd\u00f6l und Erdgas. Die Moderne hat sich damit in eine Abh\u00e4ngigkeit von der Energiefreisetzung durch Feuer begeben. Andere Wege, die sich im Verlauf der Industrialisierung mit der Stromerzeugung auf Sonne und Wind fr\u00fchzeitig angeboten hatten, wurden lange Zeit nicht weiter verfolgt. Perspektivenreiche Alternativen waren mit der Selbstblockade der prometheischen Energienutzung vorerst verbaut.<\/p>\n<p>Die habitualisierte Lernsperre zeigt sich besonders deutlich im Mobilit\u00e4tssektor. Hier wird weiter auf die Technik des Verbrennungsmotors gesetzt, mit dem wenig anspruchsvollen Zusatz im Antrieb geringe Anteile erdgeschichtlich abgelagerter durch nachwachsende Organik zu ersetzen. Die hingegen perspektivenreiche Technik des Elektroantriebs wird erst seit wenigen Jahren \u2013 und in nur wenigen L\u00e4ndern \u2013 ernsthaft ausgebaut. Dabei war der Elektro-Antrieb zu Beginn der Motorisierung eine dem Verbrennungs-Antrieb durchaus gleichwertige Option. Mit dem entscheidenden Vorteil, dass der Wirkungsgrad strombetriebener Motoren heute die von Verbrennungsmotoren um ein Mehrfaches \u00fcbertrifft. Vorausgesetzt ist hier nat\u00fcrlich Stromerzeugung aus dauerhaften Energietr\u00e4gern.<\/p>\n<p>Den \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Zugriff auf biogene Energien lese ich auch als eine sozialpsychologisch zu erkl\u00e4rende gesellschaftliche Regression. Mit dem Ziel der Angstbew\u00e4ltigung, aufgrund der sich auft\u00fcrmenden Probleme des Klimawandel und der Verknappung fossiler Ressourcen, erfolgt ein R\u00fcckzug auf eine fr\u00fchere Entwicklungsstufe der Gesellschaft. Die Option \u00bbbiogene Energien\u00ab f\u00fchrt in eine Praxis zur\u00fcck, die allerdings im Europa vor rund 250 Jahren als Sackgasse erkannt und damals durch den Zugriff auf die Kohle verlassen wurde. Das fr\u00fchmoderne Europa litt, bei weit geringerer Bev\u00f6lkerungszahl, an einer chronischen \u00dcbernutzung der Biosph\u00e4re, insbesondere einem massiven Schwund der Waldbest\u00e4nde. Die Nutzung von Holz zu Energiezwecken hatte daran einen erheblichen Anteil. Mit ihr w\u00e4re die Industrialisierung in den Anf\u00e4ngen stecken geblieben, das alte Europa \u00f6kologisch endg\u00fcltig ruiniert worden.<\/p>\n<p>Angesichts dessen war der Zugriff auf den \u00bbunterirdischen Wald\u00ab ein konsequenter Ausweg. Doch f\u00fchrte er immer erkennbarer in eine neue Sackgasse: die Klima- und Ressourcenkrise. Auf dem Scheitelpunkt dieser Erkenntnis erleben wir gegenw\u00e4rtig regressive R\u00fcckz\u00fcge in Energieoptionen einer fr\u00fcheren historischen Entwicklungsstufe, die aus gutem Grund damals drittrangig geworden sind.<\/p>\n<p>Als Hegel um 1820, zu Beginn des fossilen Zeitalters, sein ber\u00fchmtes Diktum von der erst zur Abendd\u00e4mmerung auffliegenden Eule der Minerva schrieb, meinte er, einfacher formuliert, dass rettende Erkenntnisse meist zu sp\u00e4t kommen. Dass wir auch dazu neigen, Fehler der Vergangenheit zu vergessen, um sie dann aufs Neue zu begehen, h\u00e4tte er hinzuf\u00fcgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">1<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Biogen: Aus dem biologischen Zyklus, dem Kreislauf des Wachsens und Vergehens auf der Erde stammend. Die gebr\u00e4uchliche Bezeichnung \u00bbBioenergien\u00ab ist wegen der \u00c4quivokation zu umweltschonender Landwirtschaft irref\u00fchrend. Zutreffend w\u00e4re auch \u00bbnachwachsende Organik\u00ab, durchaus in Analogie zu erdgeschichtlich abgelagerter Organik.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">2<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Donald Mitchell: \u00bbA Note on Rising Food Prices\u00ab, Policy Research Working Paper Nr. 4682, Weltbank, Juli 2008.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">3<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Mit den Freihandels-Vereinbarungen zwischen den USA und Mexiko in den Neunzigerjahren, die den Aufstand der Zapatistas in Chiapas ausl\u00f6sten, ging die b\u00e4uerliche Maisproduktion in Mexiko stark zur\u00fcck. Sie wurde von den US-Gro\u00dffarmen in den USA niederkonkurriert, die weit gr\u00f6\u00dfere Fl\u00e4chenertr\u00e4ge aufweisen und die zudem von hohen Agrarsubventionen gest\u00fctzt werden. Sie eroberten den Mais-Markt der rasch wachsenden mexikanischen St\u00e4dte. Als im folgenden Jahrzehnt die USA massiv in die Herstellung agrarisch gewonnenen Kraftstoffs einstieg, nahm auch der dortige Maisanbau entsprechend ab. Mit der Reduzierung des Angebots schnellten die Preise f\u00fcr das Grundnahrungsmittel in die H\u00f6he.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">4<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Oxfam: \u00bbAnother inconvenient truth\u00ab, Juni 2008. www.oxfam.org.uk<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">5<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Donald Mitchell, a. a. O.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">6<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Diskutiert wird das vor allem unter dem Oberbegriff des land grabbing. Als Fallbeispiel: Hartwig Berger: \u00bbSoziale Folgen der Palm\u00f6lwirtschaft. Im Agrarkapitalismus \u2013 das Beispiel Kolumbien\u00ab, Kommune 4\/08, S. 50 ff.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">7<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Die Expertise zu indirekten Landnutzungs\u00e4nderungen durch den Anbau von Energiepflanzen wurde von der EU-Kommission beauftragt und von mehreren Fachinstituten durchgef\u00fchrt. Sie liegt seit Jahresende bisher nur intern vor.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">8<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">U.a. John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt a.M., 1975.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">9<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Hartwig Berger: \u00bbDen Tiger reiten. Logik und Moral eines weltweiten Emissionshandels\u00ab, in: Kommune 4\/09, S. 18 ff. Auch unter: www.hartwig-berger.de .<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">10<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Dieselbe Frage l\u00e4sst sich f\u00fcr alle Plantagen stellen, die in der Vergangenheit infolge der Vernichtung von Regenwald eingerichtet wurden.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">11<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Berechnungen nach der kolumbianischen Umweltorganisation CENSAT Agua Viva, S.45. Llenando tanques, vaciando territorios, Bogota 2008: www.odg.cat\/documents\/novetats\/CENSAT2008.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">12<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Stellungnahme des Verbands der Deutschen Holzwerkstoffindustrie, Juni 2010.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">13<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Nehmen wir als Beispiel Vattenfall, das nach eigenem Bekunden allein in Berlin demn\u00e4chst 1,28 Millionen Tonnen Holz pro Jahr energetisch nutzen will. Als Einsatzmenge in ganz Deutschland nennt Vattenfall im Sommer 2010 6 bis 8 Millionen Tonnen. Wenn wir umrechnen, wie viel Wald in hiesigen Breiten dann f\u00fcr den f\u00fcr den hierzu erforderlich j\u00e4hrlichen Holzzuwachs erforderlich ist, kommen wir auf eine Fl\u00e4che von 2500 Quadratkilometer an Wald \u2013 ein Gebiet, fast dreimal so gro\u00df wie ganz Berlin und ein rundes Viertel der Forsten des waldreichen Bundeslandes Brandenburg umfassend. Pro Hektar ist ein Zuwachs von etwa 5000 Kubikmeter Holz j\u00e4hrlich zu erwarten (Angaben nach Rolf Peter Sieferle: R\u00fcckblick auf die Natur, M\u00fcnchen 1997, S.144 f.). W\u00fcrde das Holz aus schnell wachsenden Holzplantagen gewonnen, w\u00fcrde sich die Fl\u00e4che \u2013 bei allen Folgeproblemen intensiver Landbewirtschaftung \u2013 auf 1300 Quadratkilometer verringern, deutlich mehr als die Fl\u00e4che ganz Berlins mit 893 Quadratkilometer.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">14<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Zur Kritik an den von Vattenfall geplanten Holzimporten aus Liberia verweise ich auf meine Artikel unter www.hartwig-berger.de.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">15<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Herbert Girardet\/ Miguel Mendonca: A Renewable World, London 2009, dort insbes. Kap. 2.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">16<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">F\u00fcr das Jahr 2001 wurde der weltweite Holzeinschlag, sofern als Brennholz oder Holzkohle genutzt, auf 1,8 Mrd. Kubikmeter gesch\u00e4tzt. Als mit Abstand gr\u00f6\u00dftes Nutzungsland wird Indien mit 277 Mio. Kubikmeter genannt. Auch die Angaben f\u00fcr afrikanische L\u00e4nder liegen \u00fcberdurchschnittlich hoch: \u00c4thiopien 89 Mio., Nigeria 60 Mio., Demokratische Republik Kongo 66 Mio. Kubikmeter. Entwickelte L\u00e4nder weisen mit deutlich unter 10 Mio. Kubikmeter liegenden Betr\u00e4gen damals deutlich geringere Werte aus. Wegen fraglicher Zuverl\u00e4ssigkeit dieser Statistiken sollte man sie nur als \u2013 allerdings deutliche \u2013 Trendangabe werten. Daten nach fischer weltalmanach 2006.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">17<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Dazu ausf\u00fchrlich: Hartwig Berger: Der lange Schatten des Prometheus. \u00dcber unseren Umgang mit Energie, M\u00fcnchen 2009.<\/p>\n<hr \/>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/2011-02_Grenzen-der-Erneuerbarkeit_Dilemma-biogener-Energien.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der Beitrag als PDF<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKommune. Zeitschrift f\u00fcr Politik \u2013 \u00d6konomie \u2013 Kultur\u201c, Aufsatz Februar 2011 von Hartwig Berger Die folgende Analyse st\u00fctzt die kritische Sicht auf biogene Energien. Ihre Qualifikation als \u00bberneuerbar\u00ab unterscheidet sie durchaus nachteilig von unbegrenzt verf\u00fcgbaren und dauerhaften Energietr\u00e4gern wie Sonne und Wind. Ihre verst\u00e4rkte Nutzung kollidiert mit der Jahrhundertaufgabe, den anhaltenden Raubbau an der Biokapazit\u00e4t &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/grenzen-der-erneuerbarkeit-das-dilemma-biogener-energien\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[46,128,268],"tags":[130,112,97,129,28,122,131],"class_list":["post-231","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-biomasse","category-biomasse-und-energie","category-oeko-politik-deutschland","tag-agro-kraftstoff","tag-co2","tag-energiepflanzen","tag-erdwaerme","tag-eu","tag-solarenergie","tag-treibhausgase","nodate","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/231","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=231"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/231\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":656,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/231\/revisions\/656"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=231"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}