{"id":236,"date":"2011-02-25T17:40:49","date_gmt":"2011-02-25T16:40:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/?p=236"},"modified":"2023-01-03T16:39:55","modified_gmt":"2023-01-03T15:39:55","slug":"klimaschutz-statt-holzverbrennung-eine-alternative-zu-den-plaenen-vattenfalls","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/klimaschutz-statt-holzverbrennung-eine-alternative-zu-den-plaenen-vattenfalls\/","title":{"rendered":"Klimaschutz statt Holzverbrennung &#8211; Eine Alternative zu den Pl\u00e4nen Vattenfalls"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">erschienen in \u201eRabe Ralf\u201c, Februar 2011<br \/>\nvon Hartwig Berger<\/p>\n<p>Die Pl\u00e4ne von Vattenfall, \u00fcbrigens nicht nur in Berlin gro\u00dfe Mengen an Holz f\u00fcr seine Kraftwerke zu importieren, st\u00f6\u00dft auf starke Vorbehalte und Kritik. Auch im \u201eRaben Ralf\u201c wurden die negativen klima- wie entwicklungspolitischen Auswirkungen geltend gemacht, wenn \u2013 wie zun\u00e4chst aus Liberia \u2013 Teile unseres hohe Energiebedarfs durch derartige Importe gedeckt werden. Manche begegnen den kaum zu bestreitenden Einw\u00e4nden mit dem Argument, dass ein Ersatz fossiler durch biogene Brennstoffe f\u00fcr Berlin selbst durchaus klimapolitische Vorteile habe. Ich sehe das nicht und will das begr\u00fcnden:<\/p>\n<p><!--more-->Vattenfall plant nach eigenen Angaben, pro Jahr rund 1,3 Mio. t Holz zu verfeuern. Das entspricht mengenm\u00e4\u00dfig einem (nachwachsenden) Waldbestand, der gr\u00f6\u00dfer ist als die Gesamtfl\u00e4che Berlins. Es leuchtet ein, dass derartige Umf\u00e4nge weder aus den bereits \u00fcbernutzten W\u00e4ldern Brandenburgs noch aus regionalen Holzplantagen auch nur ann\u00e4hernd zu beschaffen sind.<\/p>\n<p>530.000 Jahrestonnen ben\u00f6tigt Vattenfall, um ab dem Jahr 2014 in seinen Kraftwerken Reuter-West, Reuter-alt und Moabit der dort verwendeten Steinkohle Holzpellets zuzufeuern. Die Wahl des Datum ist kein Zufall, da sich der Einsatz von Kohle mit der Ersteigerungspflicht im EU-weiten Emissionshandel ab 2013 deutlich verteuert. Mit dem zus\u00e4tzlichen Einsatz von Holz, das unter Ausblendung von Folgewirkungen im Herkunftsland als weitgehend C02.-neutral bilanziert wird, kann der Zukauf von kostspieleigen Zertifikaten verringert werden.<\/p>\n<p>Und dennoch schl\u00e4gt selbst dieser scheinbare Vorteil bei einer klimapolitischen Gesamtbetrachtung eher negativ zu Buche. Schon seit Jahren setzt Vattenfall die Kohlekraftwerke deutlich intensiver in Betrieb als seine Gaskraftwerke. Ausschlaggebend daf\u00fcr sind die signifikant g\u00fcnstigeren Preise f\u00fcr Steinkohle auf dem Weltmarkt ( partiell auch die Subventionierung der deutschen Steinkohlef\u00f6rderung). Energiepolitisch ist das von Nachteil, denn das moderne, seit 1995 betriebene Gas-und-Dampf(GuD)Kraftwerk \u201eMitte\u201c arbeitet deutlich energieeffizienter und mit Erdgas auch merklich emissions\u00e4rmer als Kohle. Dasselbe gilt f\u00fcr das demn\u00e4chst modernisierte GuD-Kraftwerk Lichterfelde. Je mehr mit Holzzufeuerung der Vorrang der Kohle-betriebenen Anlagen aufrechterhalten und ausgebaut werden kann, desto nachteiliger ist das f\u00fcr die Klimabilanz Berlins. Die Umweltbewegung sollte solche \u201eVitaminspritzen\u201c f\u00fcr die klimasch\u00e4dlichste Art der Strom- und W\u00e4rmeerzeugung, den Kohlebetrieb, nicht widerstandslos hinnehmen.<\/p>\n<p>730.000 Jahrestonnen an Holz plant Vattenfall f\u00fcr ein neu zu errichtendes Biomasse-Kraftwerk, das mit zwei Anlagen im Jahr 2019 am bisherigen Standort Klingenberg stehen soll. F\u00fcr die dort vorgesehene Stromerzeugung will Vattenfall die g\u00fcnstigen Einspeiseregeln des \u201eErneuerbarEnergienGesetz\u201c nutzen. Die entstehende W\u00e4rme ist f\u00fcr die Fernversorgung der drei Bezirke Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg gedacht. Sie sollen hier die bisherige Lieferung der zu schlie\u00dfenden Altanlagen weitgehend ersetzen.<\/p>\n<p>Klimapolitisch vorteilhaft erscheint dieser Weg nur, wenn man oberfl\u00e4chlich hinschaut. Tats\u00e4chlich spielt Vattenfall hier die Karte des Monopolisten mit dem Ziel aus, m\u00f6glichst viel W\u00e4rme \u00fcber sein Fernversorgungssystem weiter abzusetzen. Wieder einmal wird das Pferd vom Schwanz her aufgez\u00e4umt: Statt als verantwortungsbewusster Dienstleister zu handeln, der m\u00f6glichst viel W\u00e4rme unter m\u00f6glichst wenig Energieaufwand und bei den geringsten Zuleitungsverlusten verf\u00fcgbar zu machen sucht, wird rein absatz-orientiert weitergewurstelt.<\/p>\n<p>Kl\u00fcger und vorausschauender w\u00e4re es, durch ein zukunftsweisendes Konzept den W\u00e4rmebedarf im Versorgungsbereich zu verringern und die Erzeugung st\u00e4rker zu dezentralisieren. Wegweisend war hier eine Studie, die im Auftrag des BUND-Berlin und der Klima-Allianz vor mehr als einem Jahr ver\u00f6ffentlicht und breit diskutiert worden ist, leider bisher ohne die erhofften Langzeitfolgen . Die Autoren dieser Studie schlugen die Errichtung von insgesamt 24 Blockheizkraftwerken im Geb\u00e4udebestand vor, mit denen bei deutlich geringerem Energieeinsatz und nur minimalen Leitungsverlusten wohnungsnah Strom und W\u00e4rme erzeugt werden kann. Sie schlagen vor, diese Anlagen mit regional gewonnenem Biogas zu betreiben. Zugleich nehmen sie an, dass bis zum Jahr 2010 durch gezielte Energiesparma\u00dfnahmen 9,5% des W\u00e4rmebedarfs eingespart werden kann. Vielleicht ist das angesichts der klimapolitischen Ausgabe, viel 2950 fl\u00e4chendeckend Passivhaus-Standard erreichen zu m\u00fcssen, zu bescheiden; aber es w\u00e4re immerhin ein Anfang.<\/p>\n<p>Das Biomasse-Kraftwerk, das unter diesen Bedingungen noch erforderlich w\u00e4re, ist sehr viel kleiner ausgelegt und ben\u00f6tigt nach Berechnung der Autoren gerade einmal 175.000 Jahrestonnen an Holz. Und auch diese Anlage w\u00e4re, wenn man so will, durch Spitzenlasten des GuD Kraftwerk Mitte \u2013 dann allerdings mit Erdgas befeuert \u2013 zu ersetzen.<\/p>\n<p>Was Vattenfall bei einer besonnenen Klimapolitik an Holz f\u00fcr seine Kraftwerksf\u00fchrung ben\u00f6tigt, deckt mit 175.000 t gerade einmal 14% der deklarierten Anspr\u00fcche des Unternehmens ab. Die beabsichtigten Holzimporte f\u00fcr den Berliner Energiebedarf sind also nicht nur unter internationalen Gesichtspunkten nicht zu verantworten. Sie stellen sich, wie dargelegt, auch f\u00fcr die immanente Berliner Klimabilanz als eher kontraproduktiv dar. Es w\u00e4re doch weitaus vern\u00fcnftiger, wenn Vattenfall sich mit der BSR zu einer gemeinsamen und klimapolitisch h\u00f6chst sinnvollen Aufgabe zusammentut: Endlich die gro\u00dfen ungenutzten Potentiale der Berliner Bio-Abf\u00e4lle und organischen Reststoffe zu erfassen und energetisch zu nutzen. Der Senat sch\u00e4tzt sie auf 400.000 Jahrestonnen, von denen \u00fcber die braune Tonne bisher nur 50.-60.000 t erfasst werden. Das kleiner ausgelegte Biomasse-Kraftwerk k\u00f6nnte seinen Bedarf also auch stadtintern decken.<br \/>\nWenn Vattenfall nur will &#8211; und wirklich etwas f\u00fcr den Klimaschutz tun will .<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/2011-02_Klimaschutz_statt_Holzverbrennung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der Beitrag als PDF<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>erschienen in \u201eRabe Ralf\u201c, Februar 2011 von Hartwig Berger Die Pl\u00e4ne von Vattenfall, \u00fcbrigens nicht nur in Berlin gro\u00dfe Mengen an Holz f\u00fcr seine Kraftwerke zu importieren, st\u00f6\u00dft auf starke Vorbehalte und Kritik. 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