{"id":277,"date":"2013-02-28T10:14:15","date_gmt":"2013-02-28T09:14:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/?p=277"},"modified":"2017-09-26T15:54:19","modified_gmt":"2017-09-26T13:54:19","slug":"die-hoffnung-stirbt-zuletzt-andalusien-im-niedergang-aufschwung-in-sicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/die-hoffnung-stirbt-zuletzt-andalusien-im-niedergang-aufschwung-in-sicht\/","title":{"rendered":"Die Hoffnung stirbt zuletzt: Andalusien im Niedergang \u2013 Aufschwung in Sicht?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">von Hartwig Berger<\/p>\n<h3>Inhalt<\/h3>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Arbeitslosigkeit als Armutsfalle<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Klimaschutz als Zukunftschance<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>1. Arbeitslosigkeit als Armutsfalle<\/h3>\n<p>Jos\u00e9 Jim\u00e9nez trifft seine ebenfalls verrenteten Freunde im Freien, auf dem Ortsplatz von Campi\u00f1era, der an die Landarbeiterbewegung vor Francos Milit\u00e4rputsch 1936 erinnert. Unvermeidliche Ausgaben bei einem Kneipenbesuchs werden gespart. Zwar w\u00fcrde die Rente, die nach Jahrzehnten Arbeit auf dem Land oder im Bau gezahlt wird, zum Leben ausreichen; doch sind da noch die Kinder und Enkel. Jos\u00e9 hat 7 Kinder, Bauarbeiter mit Bauarbeitern verheiratet, wie er, alle arbeitslos und das teilweise seit Jahren. Die meisten erhalten wenigstens die Arbeitslosenhilfe, gegenw\u00e4rtig 426 \u20ac , das ist selbst in einer l\u00e4ndlichen Kleinstadt nicht genug, um \u00fcber die Runden zu kommen. Jaime, der im Hause seines Vaters Jos\u00e9 wohnt, erh\u00e4lt vom Staat keinen Cent mehr. Seit September 2012 wird Dauerarbeitslosen nichts mehr gezahlt, wenn sie keine eigene Wohnung und Familie haben.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaften sch\u00e4tzen, dass sich in Andalusien mehrere Hunderttausend M\u00e4nner und Frauen in dieser Lage befinden und dass aus 350.000 Haushalten kein einziges Familienmitglied einer Arbeit nachgeht.<\/p>\n<p>Auch die f\u00fcr Familien zu schmale Arbeitslosenhilfe ist alles andere als sicher. LandarbeiterInnen etwa erhalten sie lediglich, sofern sie im Laufe eines halben Jahres mindestens 35 volle Tage bei einem Betrieb besch\u00e4ftigt waren. Angesichts der fortgeschrittenen Mechanisierung ist das nicht leicht zu erreichen. Und in Andalusien und Extremadura sind rund 200.000 Menschen als Gelegenheitsarbeiter auf dem Land registriert, zu 61% sind es Frauen . Viele von ihnen gehen leer aus, manche sind aus ihrer Notlage darauf verfallen, Bauern Geld zu zahlen, damit diese sie als Tagel\u00f6hner zum Schein registrieren. Besonders schlimm ist gegenw\u00e4rtig die Lage im Olivenanbau, der in Andalusien noch relativ die meiste Landarbeit bietet. Doch hat die D\u00fcrre der letzten Saison die Ernte stark gemindert, in der wichtigsten Olivenprovinz Ja\u00e9n um 75- 80% . Die wenigsten Olivenarbeiter kriegen so die erforderlichen 35 Tage zusammen \u2013 wenn sie \u00fcberhaupt eine Anstellung gefunden haben.<\/p>\n<p>Die Arbeitslosenhilfe \u2013 euphemistisch \u201eHilfe zur (Arbeits-)Vorbereitung\u201c genannt \u2013 wird \u00fcber eine Zeit von einem halben Jahr gezahlt, die gegenw\u00e4rtig allerdings meistens verl\u00e4ngert wird. Noch \u2013 denn zu Jahresbeginn erkl\u00e4rte Mariano Rajoy, Spaniens kurz darauf ins Zwielicht von Schwarzgeld und Korruptionsverdacht geratener Pr\u00e4sident, dass die Hilfszahlungen nicht mehr verl\u00e4ngert w\u00fcrden, sowie die Arbeitslosenquote landesweit wieder unter 20% gesunken sei. Bei den Betroffenen werden die Ohren geklungen haben, als j\u00fcngst die jahrelangen Extrazahlungen aus illegalen Spendengeldern an Rajoy und andere Spitzenfunktion\u00e4re der Partido Popular aufflogen&#8230; .<\/p>\n<p>Einen makabren Trost haben sie gegenw\u00e4rtig: Dass die Arbeitslosigkeit auf unter 20% sinkt und dann, wie angek\u00fcndigt, Hilfszahlungen nicht mehr verl\u00e4ngert werden, liegt in den Sternen. Im Januar 2013 betrug sie 27%, bei weiter steigender Tendenz, wie alle Analysten meinen. Mit dem rigiden, von Spaniens Schattenkanzlerin Merkel durchgedr\u00fcckten Sparkurs verarmen immer mehr Menschen, schrumpft auch deshalb der innere Markt und sind weitere Auftragsr\u00fcckg\u00e4nge und Betriebsschlie\u00dfungen zu erwarten. Die Wechselkursspekulationen auf dem Weltmarkt werden voraussichtlich daf\u00fcr sorgen, dass der 2012 wieder wachsende Exportmarkt Spaniens \u2013 in Andalusien immerhin um 5 bis 10% \u2013 wieder zusammenf\u00e4llt. F\u00fcr Andalusien, mit derzeit 35% registrierter Arbeitslosigkeit, ist die 20% Marke ohnehin in weiter Ferne. Die Provinz Cadiz, in der wir uns gerade befinden, bringt es auf den traurigen Landesrekord von derzeit 40,6% zu Jahresbeginn 2013 .<\/p>\n<p>Um weitere Entlassungen muss man sich in Jos\u00e9s Umgebung kaum sorgen. In Campi\u00f1era ist die H\u00e4lfte der BewohnerInnen bereits ohne regul\u00e4re Arbeit und Einkommen, 1.300 Personen bei 5.600 Einwohnern. Betriebe, die regul\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse zu bieten haben, sind hier nicht zu finden, sieht man vom Rathaus und ein paar Handwerkern ab. Die in \u00dcberzahl \u00b4vertretenen L\u00e4den, Kneipen und Restaurants, Gesch\u00e4fte, Dienstleistungen arbeiten rein auf Familienbasis und haben alle mit schwerwiegenden Einbr\u00fcchen zu k\u00e4mpfen. Und wer in die von Auftragskrisen gesch\u00fcttelten Werften oder Zulieferbetriebe der Bucht von C\u00e1diz pendelt, tut das zumeist nur mit befristetem Vertrag, der endet, sowie das Schiff repariert oder die \u00d6lplattform gebaut ist. \u201eIn Andalusien hat uns die Krise besonders hart erwischt\u201c, erkl\u00e4rt Jos\u00e9. \u201e Als ich jung war, habe ich wie viele auf dem Land gearbeitet.<\/p>\n<p>Aber die Latifundienbesitzer haben immer mehr Maschinen eingesetzt. Viele se\u00f1oritos \u2013 \u201ekleine Herren\u201c wie man die Gro\u00dfgrundbesitzer bis heute tituliert -bauen nicht mehr an, oder sie pfl\u00fcgen die Ernte unter, weil sie mit der Fl\u00e4chenpr\u00e4mie der EU genug verdienen. Zun\u00e4chst allerdings fanden wir genug Arbeit im Bau. Damit ist seit Jahren Schluss, es geht uns schlechter als 1970, als es noch Arbeit auf dem Land und vor allem die Emigranten zur Arbeit in Deutschland oder Frankreich gab.\u201c<\/p>\n<p>Anders als in den 60er und 70er Jahren ist es f\u00fcr die Arbeiterfamilien immer schwieriger auf dem grauen Markt etwas zu finden und sich mit irgendwelchen Dienstleistungen durchzuschlagen. Selbst im l\u00e4ndlichen Milieu geht das kaum noch. Manch eine\/r versucht es dort mit Ziegen oder H\u00fchnern, nutzt daf\u00fcr oder f\u00fcr G\u00e4rten Reste des Gemeindelandes, andere suchen und verkaufen Wildgem\u00fcse oder jagen, vielfach unerlaubt, Kaninchen und Feldv\u00f6gel. Doch je mehr das tun, desto tiefer fallen die Abnahmepreise. Man widmet sich der Zucht von Hunden oder von Lockv\u00f6geln f\u00fcr die Jagd oder zieht Kampfh\u00e4hne, junge Frauen bieten Frisierkunst, Gymnastikkurse oder sonstige Dienstleistungen, verkaufen auf den w\u00f6chentlichen Billigm\u00e4rkten oder er\u00f6ffnen mit den letzten Ersparnissen der Familien einen kleinen Laden, vom Handy-Angebot bis zu Schreibwaren und S\u00fc\u00dfigkeiten. Zum Leben reicht das alles nicht, weil immer mehr Menschen immer weniger f\u00fcr ein zugleich wachsendes Angebot an Dienstleistungen zahlen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Ausbreitung von Armut ist unverkennbar. In allen Ortschaften Andalusiens haben karitative Organisationen und Selbsthilfevereine \u201ebancos de alimentos\u201c eingerichtet, Nahrungsmittel\u201cbanken\u201c, wie man sie ausgerechnet im Wortspiel mit den Banken nennt, die hauptverantwortlich f\u00fcr die Dauerkrise und somit f\u00fcr die Verarmung sind. In Campi\u00f1era gibt es inzwischen drei Ausgabestellen f\u00fcr Familien, die hungern m\u00fcssten, w\u00fcrden sie das nicht nutzen. In diesem Ort sind das etwa 80 Haushalte, wobei Stolz und Selbstachtung Viele davon abh\u00e4lt, die Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nicht hoch genug sind deshalb Aktionen der andalusischen Landarbeitergewerkschaft SAT zu bewerten, die im August 2012 in mehreren Orten symbolisch Waren aus Superm\u00e4rkten enteignete, um sie an bed\u00fcrftige Familien zu verteilen. Seitdem gibt der Gro\u00dfhandel deutlich mehr seiner \u00fcbersch\u00fcssigen Waren an die bancos de alimentos. Erg\u00e4nzt wird das \u00fcber die insbesondere in den kleineren Orten noch lebendige Alltagssolidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Familien r\u00fccken enger zusammen, Verwandte suchen sich gegenseitig zu helfen und die erwachsenen S\u00f6hne und T\u00f6chter \u2013 sofern als Arbeitslose einkommenslos \u2013 bleiben im Haus der Eltern, manchmal mit ihrem Freund oder ihrer Freundin. Wer als junger Mensch M\u00f6glichkeiten sieht und den Mut dazu hat, sucht ein Auskommen au\u00dferhalb Spaniens, vorzugsweise in Deutschland. Im ersten Jahresdrittel 2012 sollen 125.000 junge Menschen zwischen 20 und 35 Jahren Spanien verlassen haben . Allerdings stammen sie vorwiegend aus den urbanen Ballungsr\u00e4umen, w\u00e4hrend die Jugend aus dem l\u00e4ndlich-kleinst\u00e4dtischen Milieu bisher weniger Gelegenheiten und Kontakte f\u00fcr eine gleichwohl erstrebte Auswanderung gefunden hat.<\/p>\n<p>L\u00f6sungen auf Dauer zu finden, ist schwierig. Zumal viele Familien Kredite am Hals haben, die sie nicht begleichen k\u00f6nnen. Das mag noch zu ertragen sein, wenn ein Auto oder Mobiliar nicht abbezahlt und schlimmstenfalls zur\u00fcckgegeben wird. Anders steht es mit den Hypotheken auf H\u00e4user und Wohnungen. Spanienweit wurden im Oktober 2012 397.000 Zwangsr\u00e4umungen seit dem Jahr 2007 gez\u00e4hlt, bei steigender Tendenz und 50.000 laufenden Prozessen im Herbst 2012 . Inzwischen allerdings stornieren einige Gerichte diese Prozesse, um den Ausgang von Klagen gegen das noch aus der Franco-Diktatur stammende Hypothekenrecht vor dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof abzuwarten. Anders als die Arbeitslosen in den Gro\u00dfst\u00e4dten, die sich in den vielgeschossigen Bauten eine Wohnung auf Kredit gekauft haben, leidet man in den l\u00e4ndlichen Kleinst\u00e4dte bisher nicht ganz so stark unter dem Damoklesschwert der Zwangsr\u00e4umungen. Denn hier haben die meisten Arbeiterfamilien in den besseren Jahren ihre H\u00e4user in Eigenarbeit und Verwandtschaftshilfe preiswert errichtet und waren deshalb weniger auf Kredite angewiesen, die nun nicht mehr bezahlbar w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Von der Regierung erwartet kaum jemand ein Ende der Dauerkrise. Eine Umfrage zu Jahresbeginn unter den 20-35j\u00e4hrigen, in ganz Spanien durchgef\u00fchrt , spricht f\u00fcr sich: 87% haben keinerlei Vertrauen zur Regierung und 72% halten es f\u00fcr fast oder f\u00fcr g\u00e4nzlich unwahrscheinlich, im laufenden Jahr eine Arbeit zu finden. Nach der k\u00fcrzlich aufgedeckten Schwarzgeldaff\u00e4re ist das Ansehen der Politik, wenn \u00fcberhaupt noch m\u00f6glich, weiter in den Keller gerutscht. \u201eDer Politik\u201c, denn nahezu alle Parteien haben einen schlechten Ruf, neben der regierenden PP, der \u201eVolkspartei\u201c, auch die Sozialdemokraten der PSOE, denen man die politischen Fehler aus ihrer Regierungszeit und wie der PP ebenfalls jede Menge an Korruptionsf\u00e4llen und Verfilzung mit Unternehmen und Banken vorwirft. Nach einer weiteren Umfrage, auch zum Jahresbeginn 2013 , halten 63% die Politik von einer weiterhin wachsenden Korruption durchsetzt und 95% bezweifeln, dass es in den Parteien \u00fcberhaupt den Willen gibt, Korruption, Filz und Vetternwirtschaft ernsthaft zu bek\u00e4mpfen. Der Begriff \u201ePolitikverdrossenheit\u201c ist viel zu harmlos, ja verniedlichend, um die Wut auf die \u201epolitische Klasse\u201c zu kennzeichnen, die einem aus der Bev\u00f6lkerung in Spanien allenthalben entgegenschl\u00e4gt.<\/p>\n<h3>2. Klimaschutz als Zukunftschance<\/h3>\n<h4 style=\"padding-left: 30px;\">a. Landwirtschaft<\/h4>\n<p>Kehren wir in den Ort Campi\u00f1era zur\u00fcck. Verachtung der Politik und Resignation hei\u00dft nicht, dass sich die Menschen in Andalusien keine Gedanken dar\u00fcber machen, wie ihre Lage zu bessern w\u00e4re. Vielen ist bewusst, dass die Landwirtschaft, traditionell ein zentraler Berufszweig, eine Menge Arbeit bietet, sofern sie anders und angemessen betrieben wird. So fanden die Besetzungen bisher brachliegender Latifundien und deren Bewirtschaftung durch Landarbeiter bei Sevilla und C\u00f3rdoba durchaus Beachtung. Noch sind das nur Einzelf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Einige junge Leute sehen andere M\u00f6glichkeiten, auf dem Land sinnvolle Arbeit zu schaffen. Sie sind f\u00fcr zwei Jahre in Fortbildungsprogramme aufgenommen worden, in denen sie Erosionsschutz , Bewaldung und G\u00e4rtnerei und allgemein Gr\u00fcnpflege lernen. Doch f\u00fcr die 30 Beteiligten endet das demn\u00e4chst wiederum in Arbeitslosigkeit. Die Regierung sieht keine Anschlussbesch\u00e4ftigung vor, wie \u00fcberhaupt die derzeit in der EU diskutierten Programme gegen die Jugendarbeitslosigkeit, sollten sie wirklich eingerichtet werden, bisher nicht kl\u00e4ren, wie die befristeten Ma\u00dfnahmen zu Arbeit von l\u00e4ngerer Dauer f\u00fchren k\u00f6nnten. Ein Blick auf die kritische Umweltsituation der Landbewirtschaftung vor allem in den s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern kann da weiterhelfen. TeilnehmerInnen aus der angesprochenen Fortbildung werden geradezu darauf gesto\u00dfen, dass das umgebende Land durch eine r\u00fccksichtslos auf Ertragssteigerung und Maschineng\u00e4ngigkeit zielende Bewirtschaftung stark angegriffen, und durch unstreitig zunehmende extreme Wetterphasen wie anhaltende D\u00fcrre, massiven Starkregen und orkanartige St\u00fcrme noch st\u00e4rker gef\u00e4hrdet ist \u201eSchau Dir nur an, wie die B\u00e4che nach dem letzten Regen diese Schluchten in die \u00c4cker gerissen haben. Das Wasser hat die Erdschichten meterweise fortgesp\u00fclt. Kein Wunder, denn die Landwirte haben \u00fcberall Str\u00e4ucher und B\u00e4ume beseitigt, um mehr Platz f\u00fcr ihre Maschinen zu haben. Genauso schlimm sieht es auf den H\u00fcgeln aus, wo sie das Gestr\u00fcpp gerodet haben, um auch hier Felder oder Viehweide zu haben\u201c, erkl\u00e4ren Daniel und Isabel, zwei junge Umweltaktivisten, auf einer Tour \u00fcber das Land. Es f\u00e4llt nicht schwer sich auszumalen, wie eine neuorientierte EU-Agrarf\u00f6rderung wirksam sowohl zugleich zum Schutz des Landes wie zur Linderung der Jugendarbeitslosigkeit eingesetzt werden kann. Zahlungen an die Landbesitzer m\u00fcssen an die Auflage gebunden werden, auf allen sensiblen Fl\u00e4chen zuzulassen, dass dort B\u00e4ume wie Str\u00e4ucher gepflanzt und sonstiger bewuchs geschaffen werden. \u201eDa h\u00e4tten wir dann Arbeit, denn das haben wir in den Kursen gelernt, die demn\u00e4chst auslaufen. Wir k\u00f6nnten auch andere junge Leuten, die hier arbeitslos herumh\u00e4ngen, einweisen\u201c. Hier wie anderswo in s\u00fcdeurop\u00e4ischen Landregionen, die von Klimawandel wie von extremer Jugendarbeitslosigkeit betroffen sind, k\u00f6nnte so die Europ\u00e4ische Union in zwei Krisenfeldern zugleich wirksam werden.<\/p>\n<h4 style=\"padding-left: 30px;\">b. Solar- und Windenergie<\/h4>\n<p>Rund um Campi\u00f1era stehen einige Dutzend Windkraftanlagen. Die Feldmark der Provinz ist mit ihren fast st\u00e4ndigen Atlantikwinden ein ausgezeichneter Standort. Auch Solarenergie ist hier, bei 300 Tagen Sonne im Jahr und fast doppelter starker Strahlung wie z.B. in Deutschland ideal. Hier wie in den meisten s\u00fcdeurop\u00e4ischen Krisenregionen liegt es auf der Hand, die Energieversorgung schnell und gr\u00fcndlich ganz auf Wind und Sonne umzustellen. Kein Vergleich zu Deutschland, wo man die volle solar-\u00e4olische Stromversorgung auch in 20 Jahren erreichen k\u00f6nnte. Doch trotz der idealen Voraussetzungen finden sich in Andalusien, erst recht in anderen s\u00fcdeurop\u00e4ischen Regionen bisher viel zu bescheidene Ans\u00e4tze einer solaren Energiewende. Was bisher geschah, kam haupts\u00e4chlich von au\u00dfen. Bauherren und Betreiber der Windm\u00fchlen sind Spaniens gro\u00dfen Energiekonzerne, wie Iberdrola und Endesa. Firmensitz und Logistik befinden sich in Nordspanien und die Anlagen selbst wurden au\u00dferhalb des Landes produziert. Wirtschafts- und Besch\u00e4ftigungseffekte in Andalusien waren und sind daher gering.<\/p>\n<p>Hinzukommt, dass die Branche der Erneuerbaren Energien stagniert. Als eine der ersten Austerit\u00e4tsma\u00dfnahmen der neugew\u00e4hlten Rechtsregierung der PP stornierte der Industrieminister im Januar 2012 die g\u00fcnstigen Einspeiseregelungen f\u00fcr neu geplante Anlagen. Wenig sp\u00e4ter wurde nachgelegt und ab September die Mehrwertsteuer f\u00fcr die Erzeugung von Solar und Windenergie von bisher 8% auf 21% drastisch erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Moratorium und Preisspr\u00fcnge haben jeglichen weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien \u201emit Erfolg\u201c gestoppt. F\u00fcr den Rest sorgen die generellen Investitionshindernisse in Spanien, wo die Verzinsung f\u00fcr Kredite, sofern \u00fcberhaupt von den darnieder liegenden Banken gew\u00e4hrt, um fast das Doppelte \u00fcber denen in Deutschland liegen . Kein Wunder, dass verf\u00fcgbares Kapital in Str\u00f6men au\u00dfer Landes, vorzugsweise in die reichen Staaten Europas flie\u00dft. Von Januar bis Juli 2012 war das eine Summe von 235 Mrd. Euro .<\/p>\n<p>Eine konsequente Aufbaustrategie von Solar- und Windanlagen w\u00e4re in Spaniens S\u00fcden ein schlagkr\u00e4ftiges Programm gegen die Massenarbeitslosigkeit. Die Europ\u00e4ische Union und der spanische Staat h\u00e4tten ein ideales Aktionsfeld, um eine im Klimaschutz zukunftsweisende wie operationell wirkungsvolle Wirtschaftsf\u00f6rderung mit wirksamer Besch\u00e4ftigungspolitik zu verbinden. Sie \u201eh\u00e4tten\u201c&#8230; , denn Anzeichen daf\u00fcr sind bisher nicht zu sehen.<\/p>\n<h4 style=\"padding-left: 30px;\">c. Energie sparen<\/h4>\n<p>Die meisten Haushalte und Kleinbetriebe haben mit Energie ein anderes Problem: hohe, steigende und mit den Einkommensr\u00fcckg\u00e4ngen immer mehr ins Gewicht fallende Kosten. In den verflossenen besseren Jahren haben sie, ohne Beachtung der relativen Verbr\u00e4uche, stromfressende Ger\u00e4te, Klimaanlagen und mit Strom oder Gas betriebene Heizk\u00f6rper gekauft. Zus\u00e4tzlich sorgen die \u00fcblicherweise schlechten Energiestandards der Neubauten f\u00fcr hohe Aufw\u00e4nde von Heiz- oder K\u00fchl-Energie. Viele Familien zahlen 10% und mehr ihres schmal gewordenen Einkommens f\u00fcr Strom, Gas und Wasser. Hinzukommen zu erwartende Preiserh\u00f6hungen, die f\u00fcr Strom binnen eines Jahres auf durchschnittlich 5-7% f\u00fcr Haushalte gesch\u00e4tzt werden . Energieverschwendung ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Die andalusische Energieagentur hat berechnet, dass die kleinen und mittleren Unternehmen Andalusiens mit einfachen Schritten 20% ihres Energiebedarfs und damit 2 Mrd. Euro im Jahr einsparen k\u00f6nnten . Wenn wir davon ausgehen, dass jeder Privathaushalt pro Jahr Energie im Wert von 250 \u20ac umstandslos einsparen kann, lie\u00dfe sich dem ein Summe von 500 Mio \u20ac addieren. W\u00fcrden Gewinne aus der Energieeinsparung im Verh\u00e4ltnis \u201eeins zu eins\u201c aufgeteilt, k\u00f6nnten 50.000 junge Menschen, sofern als Energieberater\/innen ausgebildet, von diesem Gewerbe leben. \u201eNat\u00fcrlich w\u00fcrden wir das sofort machen\u201c, erkl\u00e4ren Jorge und Manoli, zwei Jungendliche aus dem Arbeitermilieu, die in Campi\u00f1era einen Selbsthilfeverein der arbeitslosen Jugend gegr\u00fcndet haben. \u201eAber es gibt daf\u00fcr keine Kurse und wir sehen auch nicht, wo das Geld herkommen soll. Die Gelder aus Europa sind l\u00e4ngst ausgegeben und wer wei\u00df, was von den jetzt neu beschlossenen Geldern hier ankommt\u201c.<br \/>\nEinen Hoffnungsschimmer sind die st\u00e4ndigen Erkl\u00e4rungen aus Europa, dass man endlich der massiven Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen zu Leibe r\u00fccken wolle. Woher das Geld daf\u00fcr kommen soll, ist allerdings nach den j\u00fcngsten Beschl\u00fcssen des Europ\u00e4ischen Rats der Regierungschefs keineswegs klar.<\/p>\n<h4 style=\"padding-left: 30px;\">d. Sanierung statt Neubauten<\/h4>\n<p>Den S\u00f6hnen und T\u00f6chtern von Jos\u00e9 Jim\u00e9nez werden diese Fortbildungskurse nicht unbedingt helfen. Sie haben, wie viele der jetzt arbeitslosen Bauwerker, gleich nach der Schule Geld verdienen m\u00fcssen und so ihr Handwerk, wie in der Region \u00fcblich, im Arbeitsvollzug gelernt. Zertifikate f\u00fcr spezifische Qualifikationen k\u00f6nnen sie nicht vorweisen. Ihre Zulassung zur Fortbildung zu EnergieberaterInnen w\u00e4re damit unsicher. So hoffen sie, dass die darnieder liegende Bauindustrie neu anspringt und sie in ihr altes Gewerbe zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Ein Hoffnung mit einem gewissen Realit\u00e4tsgehalt f\u00fcr den Fall, dass Spanien fortan und mit europ\u00e4ischer Hilfe konsequent auf Sanierung und Instandsetzung, statt wieder auf den Irrsinn eines z\u00fcgellosen Neubaus setzt. Hier w\u00fcrden Bauarbeiter gebraucht, dieses Mal f\u00fcr eine zukunftsweisende Aufgabe. Denn eine klimavertr\u00e4gliche Solarwende ist selbst im von Sonne und Winden gesegneten Andalusien nur zu schaffen, wenn der exzessive Energiebedarf f\u00fcr W\u00e4rme wie K\u00fchlung deutlich verringert wird. Die technischen M\u00f6glichkeiten sind vorhanden. Fehlen nur die Finanzen und der politische Einsicht. Wird sie in Madrid, Br\u00fcssel und den \u00fcbrigen europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten Raum finden?<\/p>\n<p>Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/2013-02_Andalusien_Niedergang.pdf\" target=\"_blank\">der Beitrag als PDF<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hartwig Berger Inhalt Arbeitslosigkeit als Armutsfalle Klimaschutz als Zukunftschance<\/p><p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/die-hoffnung-stirbt-zuletzt-andalusien-im-niedergang-aufschwung-in-sicht\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[169,215],"tags":[218,170,25,82,148,122,150],"class_list":["post-277","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spanien","category-texte","tag-andalusien","tag-armut","tag-jugendarbeitslosigkeit","tag-klimaschutz","tag-landwirtschaft","tag-solarenergie","tag-windenergie","nodate","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/277","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=277"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/277\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":279,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/277\/revisions\/279"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=277"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=277"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=277"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}