{"id":390,"date":"2017-02-09T15:32:03","date_gmt":"2017-02-09T14:32:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/?p=390"},"modified":"2017-09-26T15:54:33","modified_gmt":"2017-09-26T13:54:33","slug":"europas-jugend-gestaltet-die-energiewende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/europas-jugend-gestaltet-die-energiewende\/","title":{"rendered":"Europas Jugend gestaltet die Energiewende"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Zwei Projektskizzen<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Prof. Dr. Rolf Kreibich, Sekretariat f\u00fcr Zukunftsforschung (SFZ) FU Berlin<\/strong><\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Dieter Puchta, <\/strong><strong>LEA-Lean Energy Agency GmbH &amp; Co. KG,<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Hartwig Berger, Umweltzentrum \u00d6kowerk Berlin e.V.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Werner Zittel, Energiewissenschaftler, Ludwig B\u00f6lkow Stiftung<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>Die Jugendarbeitslosigkeit in den L\u00e4ndern S\u00fcd- und Osteuropas ist katastrophal und die dadurch bedingte Unsicherheit und Perspektivlosigkeit eine schwere Belastung f\u00fcr die jungen Menschen. Mit ihren m\u00f6glichen Folgen stellt sie die Zukunft der Europ\u00e4ischen Union insgesamt in Frage.<\/p>\n<p><!--more-->Die Zahlen f\u00fcr Ende 2016 sprechen f\u00fcr sich (nach Eurostat):<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"427\"><strong>Land\/Region<\/strong><\/td>\n<td width=\"188\"><strong>Anteil<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"427\">Griechenland<\/td>\n<td width=\"188\">44,2%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"427\">Spanien<\/td>\n<td width=\"188\">42,9%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"427\">(Andalusien<\/td>\n<td width=\"188\">57,8%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"427\">Italien<\/td>\n<td width=\"188\">40,1%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"427\">Zypern<\/td>\n<td width=\"188\">32,8%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"427\">Kroatien<\/td>\n<td width=\"188\">28 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"427\">Portugal<\/td>\n<td width=\"188\">26,4%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"427\">Frankreich<\/td>\n<td width=\"188\">26,2%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"427\">Bulgarien<\/td>\n<td width=\"188\">22,4%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"427\">EU insgesamt<\/td>\n<td width=\"188\">18,6%<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um ernsthafte Schritte zumindest zur deutlichen Linderung dieses skandal\u00f6sen Zustands zu unternehmen, m\u00fcssen&nbsp; junge Menschen&nbsp; in Berufsfeldern ausgebildet und eingesetzt werden, die f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung der EU wichtig sind und die daher eine Zukunftsperspektive f\u00fcr diese Menschen selbst und f\u00fcr die EU als solcher bieten. Eines dieser Berufsfelder ist der Aufbau einer klimavertr\u00e4glichen, auf Effizienz, Einsparung, erneuerbare Ressourcen, Speichertechnologien und moderne dezentrale Energiesysteme basierten Energieversorgung. Mit den&nbsp; Selbstverpflichtungen, die die EU auf der Pariser Klimakonferenz eingegangen ist, wurde das noch einmal unterstrichen. Europa und speziell auch Deutschland verf\u00fcgen in allen Anwendungsbereichen \u2013 Industrie, Dienstleistungen, Infrastrukturen, Haushalte und Kleinverbraucher \u2013 \u00fcber gute wissenschaftlich-technologische Voraussetzungen und&nbsp; Ausbildungserfahrungen (insbesondere duale Ausbildung) f\u00fcr alle&nbsp; Bereiche von W\u00e4rme- und Stromversorgung. Hinzu kommen zahlreiche erfolgreiche Modellprokjekte f\u00fcr die dezentrale Energieversorgung mit intelligenten Verbindungen durch High-Tech-Kopplungs-, Kontroll- und Me\u00dftechniken (smart meter) und intelligenten Netzen (smart grids).<\/p>\n<p>F\u00fcr EU-Projekte, die Ausbildung und Praxis im Bereich der zukunftsf\u00e4higen Energieversorgung anbieten, legen wir zwei Vorschl\u00e4ge vor:<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>&nbsp; I. Implementierung einer dualen Ausbildung nach deutschem Vorbild <\/strong><strong>f\u00fcr Jugendliche in S\u00fcd- und Osteuropa<\/strong><\/h3>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr ausgew\u00e4hlte L\u00e4nder schlagen wir ein Kooperationsprojekt mit dem Ziel vor, junge Arbeitslose \u00fcber ein duales Ausbildungs- und Studienprogramm \u2013 etwa nach dem Vorbild der Berufsakademien \u2013 im Energy Service Management mit Diplomabschluss oder einem gesonderten qualifizierten Zertifikat theoretisch und praktisch auszubilden.<\/p>\n<p>Die Auszubildenden beteiligen sich blockweise an Lehrveranstaltungen , die&nbsp; neben allgemeinen Inhalten in Recht, Volks- und Betriebswirtschaft sowie \u00d6kologie insbesondere&nbsp; Kenntnisse in Energiewirtschaft und Klimaschutz vermitteln. Ihr Basiswissen erwerben sie an einer im Kooperationsland zu gr\u00fcndenden &#8218;Akademie f\u00fcr Energietechnik, Energiewirtschaft und Informatik&#8216;. Dar\u00fcber hinaus arbeiten die Auszubildenden mit Partnern aus der Technik und Wirtschaft (Solartechnik, Eletrohandwerk, Energiedienstleistungen etc.) sowohl in Deutschland als auch in den Kooperationsl\u00e4ndern an konkreten Praxisprojekten zusammen.&nbsp; So sollten sie, jeweils als Team, unter Anleitung von Experten in der Planung, Installation, dem laufenden Betrieb und der Wartung&nbsp; der Energieversorgung&nbsp; samt erforderlicher&nbsp; Kalkulation der Wirtschaftlichkeit in einem Verbund von Haushalten, Siedlungskomplexen, Unternehmen, Stadtverwaltungen, Stadtwerken&nbsp; oder Genossenschaften mitwirken.<\/p>\n<p>Als weitere Lerneinheit sollten die Auszubildenden im praktischen Teil gemeinsam mit Energiefirmen und z.B. Stadtwerken in Deutschland derartige Energie- und Wirtschaftlichkeits-Analysen entwickeln und erproben. Diese Aktivit\u00e4t begr\u00fcndet sich daraus, dass Deutschland in allen in Frage kommenden Bereichen ( wie Industrie, Haushalte, Infrastruktur) \u00fcber gute Techniken und Modelle der Energieeinsparung und der Steigerung der Energieeffizienz sowie einen hohen Entwicklungsstand beim Einsatz regenerativer Energie und Energiespeichertechniken f\u00fcr Strom und W\u00e4rme verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>Die Studienorte richten sich nach den Standorten der Ausbildungsst\u00e4tten sowie den Betriebsst\u00e4tten der beteiligten Unternehmen in den Partnerl\u00e4ndern und in Deutschland.&nbsp; Durch eine geeignte Einf\u00fchrungsphase und den notwendigen mehrfachen Wechsel k\u00f6nnen die Auszubildenden Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenz erwerben.<\/p>\n<p>Sofern sich diese Kooperationsprojekte gut entwickeln, k\u00f6nnten nach einer entsprechenden Evaluation weitere Ausbildungsg\u00e4nge entwickelt und Ausbildungsst\u00e4tten hinzugef\u00fcgt werden. Ziel ist der&nbsp; Aufbau fester Ausbildungsst\u00e4tten nach dem deutschen Muster der Berufsakademien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nutzen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Ausbildung in Theorie und Praxis&nbsp; zukunftstr\u00e4chtiger Berufsfelder ist das wirksamste Mittel gegen Jugendarbeitslosigkeit;<\/li>\n<li>Junge Menschen werden durch ihren zukunftstr\u00e4chtigen Beruf im Land gehalten<\/li>\n<li>wenn sich zeigt, dass sich das duale Ausbildungssystem hier bew\u00e4hrt, kann das Modell auch auf andere Wirtschaftsbereiche \u00fcbertragen werden;<\/li>\n<li>die Wirtschaft des jeweiligen Landes erh\u00e4lt durch die Ausbildungsleistungen in einem zukunftstr\u00e4chtigen innovativen Wirtschaftssektor neue Impulse;<\/li>\n<li>der Know-how-Transfer in einschl\u00e4gigen Techniken, Praktiken und Gesch\u00e4ftsmodellen einer klimavertr\u00e4glichen Energiewende k\u00e4me allen beteiligten L\u00e4ndern zugute;<\/li>\n<li>die&nbsp; l\u00e4nder\u00fcbergreifende Auff\u00e4cherung und Verbindung der Ausbildungsorte und der wechselseitige Austausch st\u00e4rken das Bewusstsein einer europ\u00e4ischen Zusammengeh\u00f6rigkeit gerade unter jungen Menschen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong> II. Mehr&nbsp; Arbeit mit weniger und anderer Energie<\/strong><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Ausbildung kommunaler Energieberater<\/strong><\/h3>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>In einem l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Projekt werden Jugendliche aus mehreren europ\u00e4ischen Regionen gemeinsam als kommunale Energieberater\/innen ausgebildet. Die erworbenen Kompetenzen wenden sie in einer zweiten Projektphase in Gemeinden ihrer Heimatregion an, wobei sie sich \u00fcber die auftretenden Schwierigkeiten und Fragen weiterhin untereinander l\u00e4nder\u00fcbergreifend austauschen.<\/p>\n<ul>\n<li>Ausgew\u00e4hlt werden Regionen, die von hoher Jugendarbeitslosigkeit bzw. damit einhergehenden hochprek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen f\u00fcr insbesondere junge Menschen betroffen sind, und<\/li>\n<li>die einerseits enorme M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Einsatz erneuerbarer Energien und einem besseren Umgang mit Energie bieten und andererseits mit entsprechenden Aktivit\u00e4ten einer Energiewende sehr im R\u00fcckstand sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ablauf der Ausbildung, in groben Z\u00fcgen<\/strong><\/p>\n<p>Die Teams aus den jeweiligen Regionen erhalten gemeinsam eine mehrmonatige Grundausbildung an einem Fachinstitut<\/p>\n<ul>\n<li>als BeraterInnen f\u00fcr einen sparsamen und effizienten Umgang mit Energie in Haushalten, Kleinbetrieben und kommunalen Einrichtungen<\/li>\n<li>als \u201eSolarteure\u201c, die Haushalte und Betriebe in der Installierung von Solaranlagen (PV und Thermo) und damit verbundenen wirtschaftlichen, technischen und alltagspraktischen Fragen beraten.<\/li>\n<li>Sinnvoll w\u00e4re eine zus\u00e4tzliche Kurzausbildung in Bautechniken mit Lehm- und Strohbau ( z. B. an der \u201eEurop\u00e4ischen Akademie f\u00fcr Lehmbau\u201c in Mecklenburg), weil das an \u00e4ltere Bauweisen in den Herkunftsgebieten bei entsprechend verf\u00fcgbaren regionalen Ressourcen anschlie\u00dft.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es sollte darauf geachtet werden, dass die Teams gleichgewichtig mit M\u00e4nnern und Frauen besetzt sind, um&nbsp; \u00fcberkommene Berufsbilder zu durchbrechen und weil Frauen als Energieberater*innen in Haushalten besonders geeignet sind.<\/p>\n<p>Probleme mit der sprachlichen Verst\u00e4ndigung sind vorab zu kl\u00e4ren. Naheliegend w\u00e4re hier Englisch, allerdings sind die erforderlichen Kenntnisse in Spanien und Italien erfahrungsgem\u00e4\u00df gering, jedenfalls in den Bev\u00f6lkerungskreisen ohne Hochschulreife und aus prek\u00e4r wirtschaftenden Haushalten,&nbsp; an die gerade das Programm adressiert ist.<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Praktische Umsetzung<\/strong><\/p>\n<p>Die Praxistests vor Ort sind ausdr\u00fccklich Bestandteil der Ausbildung und sie sollten m\u00f6glichst mit entsprechender Begleitung erfolgen. Die jungen Leute wirken also \u2013 vorzugsweise in ihren Heimatgemeinden \u2013 als Energieberater\/innen und Solarteure, wobei die direkte Beratung mit Aktivit\u00e4ten der \u00d6ffentlichkeitsarbeit ( wie Infobl\u00e4tter, \u00f6ffentliche Veranstaltungen, Energiesparwettbewerbe, Initiativen mit Kindern und Lehrern an Schulen) verbunden werden sollten. Es erscheint sinnvoll, w\u00e4hrend der Praxisphase 1-2mal&nbsp; gemeinsame Treffen zwischen den Teams durchzuf\u00fchren, auf denen sie sich \u00fcber ihre Erfahrungen, auftretende Schwierigkeiten und m\u00f6gliche L\u00f6sungswege austauschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zeitlicher Rahmen<\/strong><\/p>\n<p>M\u00f6glichst bis zu 5 Jahre.&nbsp; Eine wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Projekts ist erforderlich, um aus seinem Verlauf Erkenntnisse und generalisierbare Vorschl\u00e4ge zu erarbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein <strong>Grundproblem, <\/strong><br \/>\n\u00fcber das man sich vorab verst\u00e4ndigen sollte, ist die Frage, wie die Arbeit der ausgebildeten Energieberater*innen nach Projektende auf Dauer sichergestellt und finanzierbar gemacht werden kann. Es geh\u00f6rt zu den empirischen Erfahrungen, da\u00df sich Beratungsleistungen zum Energiesparen und rationellem Energieverhalten in der Regel nicht selbst tragen. Modelle etwa zum Energiespar-Contracting sind im Bereich \u00f6ffentlicher Geb\u00e4ude teilweise sehr gewinntr\u00e4chtig, w\u00e4hrend sie im Bereich der Haushalte meist nicht selbsttragend sind und einer F\u00f6rderung bed\u00fcrfen.&nbsp; Deshalb ist zu kl\u00e4ren, ob Modelle etwa von Energiespar-Contracting und\/oder B\u00fcrgergeld ausreichen. Insbesondere in Regionen, in denen eine Verarmung vieler Haushalte anzutreffen ist, m\u00fcssen die Projekte in besonderer Weise finanziell gef\u00f6rdert werden.&nbsp; Eine M\u00f6glichkeit erg\u00e4be sich, wenn \u2013 gest\u00fctzt auf die EU-Effizienz-Richtlinie von 2012 &#8211; die Energieversorger ab einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfe zur Einrichtung eines von ihnen finanzierten Fonds verpflichtet werden, aus dem die Energiesparma\u00dfnahmen, die mit Regenerativen Energien errichteten Versorgungssysteme sowie die entsprechenden Beratungsleistungen finanziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Projektskizzen Prof. Dr. Rolf Kreibich, Sekretariat f\u00fcr Zukunftsforschung (SFZ) FU Berlin Prof. Dr. Dieter Puchta, LEA-Lean Energy Agency GmbH &amp; Co. KG, Dr. Hartwig Berger, Umweltzentrum \u00d6kowerk Berlin e.V. 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