{"id":69,"date":"2014-06-10T22:48:24","date_gmt":"2014-06-10T20:48:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/?p=69"},"modified":"2017-09-26T15:55:10","modified_gmt":"2017-09-26T13:55:10","slug":"in-die-haende-gespuckt-eine-energiekampagne-als-ausbildungsprojekt-in-suedeuropa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/in-die-haende-gespuckt-eine-energiekampagne-als-ausbildungsprojekt-in-suedeuropa\/","title":{"rendered":"In die H\u00e4nde gespuckt &#8211; Eine Energiekampagne als Ausbildungsprojekt in S\u00fcdeuropa"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">von Hartwig Berger<\/p>\n<p>Alle jungen Menschen unter 25 Jahren sollen innerhalb von vier Monaten nach Abschluss ihrer Ausbildung oder nachdem sie arbeitslos geworden sind, eine Arbeitsstelle, ein Ausbildungsplatz, ein Praktikum oder eine Fortbildung erhalten, qualitativ hochwertig und auf ihre pers\u00f6nliche Situation zugeschnitten.<!--more-->So gut sich diese \u201eeurop\u00e4ische Jugendgarantie\u201c anh\u00f6rt, so viel Fragezeichen wirft ihre Umsetzung auf. Sechs Milliarden f\u00fcr insgesamt 5 Jahre stellt die EU f\u00fcr sie zur Verf\u00fcgung, wobei 50% der Gelder bereits im Gesamtbetrag des Europ\u00e4ischen Sozialfonds gebunden sind. Man hat vor, Unternehmen durch Zusch\u00fcsse oder Finanzerleichterungen zur zus\u00e4tzlichen Einstellung junger Menschen zu ermutigen. Veranschlagen wir einmal direkte oder indirekte Zusch\u00fcsse pro Person und Monat mit 500 \u20ac, Organisationskosten eingerechnet. Demnach k\u00e4men 200.000 Menschen in den Genuss der Garantie, das w\u00e4ren gerade 5% der derzeit arbeitslosen jungen Europ\u00e4erInnen. Selbst aus der EU-Kommission h\u00f6rt man von Sch\u00e4tzungen, dass pro Jahr zus\u00e4tzliche 22 Mrd. \u20ac aufgebracht werden m\u00fcssten, wollte man eine ernsthafte Realisierung der Jugendgarantie in Gang setzen. Erwartet oder erhofft werden diese Zusatzgelder von den Mitgliedsstaaten.<\/p>\n<p>Dass die s\u00fcdeurop\u00e4ischen Krisenstaaten von (inzwischen auch) Frankreich bis Griechenland das unter den Fesseln der ihnen aufgezwungenen Austerizid-Politik \u00fcberhaupt finanzieren, ist eine fromme Hoffnung. Wie w\u00e4re es also mit der Einf\u00fchrung einer europaweiten Sonderabgabe, um mit ihren Ertr\u00e4gen dem Skandal der Jugendarbeitslosigkeit wirksam zu Leibe zu r\u00fccken? Was ist in Europa wichtig: Kreditgarantien und Finanzzusagen in dreistelliger Milliardenh\u00f6he an Banken, die sich zum Schaden der Bev\u00f6lkerung verspekuliert haben? Oder ein anspruchsvolles Hilfsprogramm, um jungen Unionsb\u00fcrgern eine Arbeits- und Berufsperspektive zu geben?<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon stellt sich die Frage, wie die gew\u00e4hrten drei oder sechs Mrd. Euro sinnvoll eingesetzt werden. Viele scheinen da \u00e4hnlich zu denken wie der EU-Pr\u00e4sidentschaftskandidat Martin Schulz: Man greife den arbeitsintensiveren Klein- und Mittelbetrieben mit Krediten und F\u00f6rdergeldern unter die Arme und erwarte als Gegenleistung, dass sie junge Leute einstellen.<\/p>\n<p>Dieser Weg \u00f6ffnet das schwer einzud\u00e4mmende Risiko von Mitnahmeeffekten, die den Betrieben fianziell Luft verschaffen, ohne doch nicht den Jugendlichen wirksam zu helfen. Nehmen wir den spanischen Aktionsplans zur Jugendgarantie als Beispiel. Er sieht den Erlass von Sozialbeitr\u00e4gen oder andere Verg\u00fcnstigungen f\u00fcr einen definierten Zeitraum vor, sofern Betriebe Jugendlichen eine Ersteinstellung gew\u00e4hren. Dass der so geschaffene Arbeitszeit sich auf die Dauer der Zusch\u00fcsse verk\u00fcrzt, ist naheliegend. Zumal viele der s\u00fcdeurop\u00e4ischen Betriebe ohnehin am Rande der Zahlungsf\u00e4higkeit herumkrebsen.<\/p>\n<p>Um jungen Europ\u00e4erInnen eine berufliche Zukunft zu bieten, sollten wir in erster Linie auf die F\u00f6rderung von Wirtschaftszweigen setzen, die eine Zukunft im Sinne eines umweltvertr\u00e4glichen Wandels haben Und wir sollten jungen Menschen dabei behilflich sein, dass sie dort eine berufliche Existenz aufbauen, wenn m\u00f6glich selbstbestimmt und in Kooperation.<\/p>\n<p>In diesem Sinn f\u00fchren wir demn\u00e4chst ein zeitlich begrenztes Projekt in einer s\u00fcdandalusischen Kleinstadt durch. Wir, das sind neben privaten Spendern die Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung, die Ludwig-B\u00f6lkow Stiftung und das \u00d6kowerk Berlin. Akteure werden, neben dem Autor, eine junge Ingenieurin mit Vorerfahrung in Energieeffizienz und acht weitere junge Menschen, darunter 3 Frauen, aus demselben Ort sein. Alle haben keine oder keine irgendwie regelm\u00e4\u00dfige Arbeit, wie das gegenw\u00e4rtig in dieser Region f\u00fcr 75% der Menschen unter 25 Jahren der Fall ist. Unser Projekt, das zun\u00e4chst wegen der Finanzen auf zwei Monate begrenzt ist, nennen wir \u201emehr Arbeit mit weniger Energie\u201c.<\/p>\n<p>Warum? Energiearmut, definiert als hoher Anteil der Energieausgaben am Gesamteinkommen , trifft im Spanien der Massenarbeitslosigkeit sehr viele Haushalte. In Andalusien erhalten nach Sch\u00e4tzung der Gewerkschaften CCOO und UGT 1,5 Mio Arbeitslose ( bei 8,4 Mio. Einwohnern) keine entsprechende Unterst\u00fctzung. Zugleich ist der Bezug von Energie teuer. Die Strompreise sind in Spanien zwischen 2008 und 2012 um 60% hochgeschnellt, im EU-ranking liegt das Land an dritter Stelle nach den Inselstaaten Irland und Zypern. Elektroger\u00e4te, in den Jahren des Booms angeschafft, weisen gerade in Arbeiterhaushalten meist einen hohen Verbrauch bei geringer Leistung auf und die W\u00e4rmeisolierung der in dieser Konjunkturphase errichteten H\u00e4user ist vielfach miserabel. So wurde 2012 nicht von ungef\u00e4hr 1,4 Mio Haushalten im ganzen Land wegen Zahlungsverzug der Stromabgeschaltet.<\/p>\n<p>Eine Energiesparkampagne dient also nicht nur dem Umweltbewusstsein. Gerade f\u00fcr Familien mit geringem Einkommen kann es hilfreich sein, praktische Hinweise zu einem sinnvolleren Umgang mit Energie zu erhalten und Aufschluss dar\u00fcber zu erhalten, ob und wie sich mit besonderen Ma\u00dfnahmen Energieeinsparungen rechnen. Und schlie\u00dflich Kenntnisse \u00fcber die Eigenerzeugung von Solarw\u00e4rme und Solarstrom zu erhalten, der in dieser Region mit hoher Sonneneinstrahlung selbst f\u00fcr arme Haushalte fast ein Selbstl\u00e4ufer w\u00e4re, sofern es gelingt, zinsg\u00fcnstig Kleinkredite verf\u00fcgbar zu machen. Erst recht trifft das f\u00fcr die zahlreichen Kleinbetriebe zu, die in den letzten Jahren bei zur\u00fcckgehenden Eink\u00fcnften mit steigenden Energieausgaben rechnen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wir haben die Kampagne in den letzten Monaten inhaltlich vorbereitet und starten sie Ende Juni. Wir wollen Haushalte, Betriebe und \u00f6ffentliche Einrichtungen gezielt in der Einsparung von Energie- und dem ebenfalls stark verteuerte Wasser beraten und setzen angesichts der engen Familien- und Nachbarschaftsbeziehungen auf \u201eSchneeballeffekte\u201c. Und wir werben in Nachbarorten der Provinz, versuchen dort Akteure zu ermutigen, dass sie \u00e4hnliche Projekte auf breiterer Grundlage und unter Nutzung der EU-Regionalf\u00f6rderung einleiten. Die Auflage der EU, 20% der F\u00f6rderung f\u00fcr Ma\u00dfnahmen des Klimaschutzes einzusetzen, bietet da einen ausgezeichneten Ansatzpunkt. Ablauf, Erfahrungen und Probleme unserer Kampagne werden wir in einer zweisprachigen Dokumentation zusammenstellen.<\/p>\n<p>Welchen m\u00f6glichen Nutzen haben die jungen Akteure vom Projekt? Wir laden sie zu einem Experiment ein, in dem sie nicht verlieren, aber vielleicht gewinnen k\u00f6nnen. Gelingt es, durch vereinbarte Anteile am finanziellen Nutzen, den Haushalte, Betriebe und Verwaltungen von einem intelligenten Umgang mit Energie haben, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten? K\u00f6nnen junge Menschen, die sich zu Energieberatern schulen, von dieser T\u00e4tigkeit zumindest teilweise leben? Ist es m\u00f6glich, Beratergenossenschaften zu gr\u00fcnden und daf\u00fcr Starthilfen aus der eingangs erw\u00e4hnten EU-Jugendgarantie zu erhalten? Wir wollen das testen. Besser selbst die Dinge in die Hand nehmen und erst danach auf Erfolge im komplexen Regelwerk der EU-F\u00f6rderung warten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/2014_Jugendgarantie_und_Projekt_Art.pdf\" target=\"_blank\">als PDF-Datei&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hartwig Berger Alle jungen Menschen unter 25 Jahren sollen innerhalb von vier Monaten nach Abschluss ihrer Ausbildung oder nachdem sie arbeitslos geworden sind, eine Arbeitsstelle, ein Ausbildungsplatz, ein Praktikum oder eine Fortbildung erhalten, qualitativ hochwertig und auf ihre pers\u00f6nliche Situation zugeschnitten.<\/p><p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/in-die-haende-gespuckt-eine-energiekampagne-als-ausbildungsprojekt-in-suedeuropa\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[11,207,215],"tags":[218,18,24],"class_list":["post-69","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-energieprojekt-andalusien","category-jugend-und-klimakrise","category-texte","tag-andalusien","tag-ausbildungsprojekt","tag-energiekampagne","nodate","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69\/revisions\/71"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hartwig-berger.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}